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Abende am Meiler

Zeichnung: Ute Knieriemen-WagnerDer Altmeister der pfälzischen Heimatkunde Theodor Zink war es, der den Satz prägte: „dass jedes pfälzische Dorf  sei es auch noch so klein, sein eigenes Fest begehe und wenn es auch nur eine Kirchweih ist“. 

 

Im Jahresablauf der Trippstadter Feierlichkeiten stechen zwei größere Feste heraus. Es sind dies im Juli die "Trippstadter Kerwe" mit dem traditionellen Schubkarrenrennen und am ersten Wochenende im September das inzwischen schon zur Tradition gewordene Kohlenbrennerfest, in Verbindung mit dem weit über die Grenzen des Pfälzerlandes  bekanntem  Schmiedefest.

 

Die Ausrichtung des Kohlenbrennerfestes, das in diesem Jahr am 5. und 6. September gefeiert wird, obliegt im Regelfall den Trippstadter Vereinen und örtlichen Wirten.  In der letzten Augustwoche herrscht eine allgemeine "Unruhe" im Dorf. Am Meilerplatz, jener Stelle wo jedes Jahr der Kohlenmeiler qualmt, sind fleißige Helfer dabei den traditionellen Meiler zu errichten. Die Köhlerhütte wird aufgebaut und in der alten Schmiede am Eisenhüttenmuseum sind die Schmiede dabei ihre Vorbereitungen zu treffen, damit am ersten Septemberwochenende die Hämmer der "schwarzen Männer" erklingen können. Hier zeigen dann zwei Tage lang Schmiede aus ganz Deutschland, Luxemburg und Holland ihr fachliches Können.

 

Es ist eine besondere Atmosphäre die in den Tagen vor, während und nach dem Fest über ganz Trippstadt zu liegen scheint, die man nicht nur sehen sondern auch riechen und hören kann. Vor allem am Samstag und Sonntag wenn sich der Geruch des frisch gezündeten Meilers mit dem metallischen Schlag der Schmiedehämmer verbindet.

 

An den Ständen und den Zelten werden Pfälzer Gerichte angeboten und die örtlichen Vereine sorgen für die musikalische Umrahmung. Das Kohlenbrennerfest ist das eigentliche Trippstadter Dorffest und inzwischen schon fester Bestandteil der Brauchtumslandschaft des Pfälzerwaldes. Ein solches Fest steht und fällt mit dem Engagement seiner freiwilligen Helfer.

 

Zeichnung: Ute Knieriemen-WagnerIn diesem Jahr nun feiert die Gemeinde Trippstadt ihr 30. Köhlerfest und viele der ehrenamtlichen Helfer sind heute noch mit der gleichen Begeisterung bei der Sache wie 1980, als das erste Fest begann. Dies zeugt zweifelsohne auch von einer gesunden und festen Dorfgemeinschaft, denn ohne solche wäre es nicht möglich dieses Fest Jahr für Jahr wieder aufleben zu lassen.

 

Etwa zwölf Tage wird der Meiler nach dem Fest noch vor sich hin qualmen, dann wird die "neue Ernte" eingebracht. Trippstadter Holzkohle ist sehr energiereich, garantiert schadstofffrei und damit zum Grillen bestens geeignet. Durch die alleinige Verwendung von Buchenholz aus dem Pfälzerwald bekommen Bratwürste und Steaks ein ganz besonderes Aroma. Kaufen kann man die Holzkohle in der Tourist Information in Trippstadt.

 

Während des Prozesses der Holzkohle Herstellung muss der Köhler darauf achten, durch ordentliche Regelung des Windzuges den Meiler weder zu erlöschen noch in helle Flammen aufgehen zu lassen. Er regelt dies, indem er kleine Löcher am Meiler anbringt und diese auch wieder verschließt. Während des Glühprozesses herrscht im Innern des Meilers eine Temperatur von ca. 600 Grad Celsius. Nach der Festivität beginnen die Abende am Meiler. So lange der Meiler noch raucht wird für jede Nacht eine Wache bestimmt, diese wird von den örtlichen Vereinen durchgeführt. Es sind Tage des gemütlichen Zusammenseins und des Gespräches. Man schwelgt zu recht in den Erinnerungen an viele vergangene Köhlerfeste, aber auch in den uralten Erinnerungen an die Köhlerei, die in Trippstadt einst ein grundlegender Wirtschaftsfaktor war, als wichtiger Energielieferant bei der Verhüttung von Eisen.

 

Das jährlich wiederkehrende Fest zeugt auch davon, dass in Trippstadt weniger Auflösungstendenzen an überliefertem Brauchtum vorhanden sind, wie dies heut zu Tage in vielen Ortschaften leider der Fall ist.

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