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Folgt die Kaiserpfalz Lautern dem Stil der Normannenpaläste in Palermo?

t kaiserpfalz klBei einer Studienreise in Sizilien erklärte der Reiseleiter, dass der Stil der normannischen Königspaläste in Palermo mit ihrer Einbeziehung von Wasserspielen, Brunnen, Gartenanlagen und Tiergärten im 12. Jahrhundert nur noch in Kaiserslautern und am Königshof in England zu finden war. Dies machte mich hellhörig und ich ließ mir die Quelle zu dieser Aussage besorgen.

In dem Buch „Die normannischen Königspaläste in Palermo – Studien zur hochmittelalterlichen Residenzbaukunst“ dokumentierte Hans-Rudolf Meier seine Erkenntnisse  aus der Erforschung der Residenzbaukunst der Normannen /1/.

Grundlage für den Vergleich der Kaiserpfalz in Kaiserslautern mit den normannischen Königspalästen ist die Beschreibung von Rahewin aus der Zeit zwischen 1158 und 1160 in der „Gesta Friderici“ nach der Übersetzung von Hotz /2/:

„Bei Lautern errichtete er [d. h. Friedrich I., „Barbarossa“] mit viel Aufwand eine Pfalz aus rotem Sandstein. Auf der einen Seite begrenzte er sie mit einer gewaltigen Mauer, während sich auf der anderen ein Fischweiher wie ein See herumzog, dessen Reichtum an Fischen und Wasservögeln für Augen und Gaumen ein Genuss war. Auch besitzt die Pfalz unmittelbar anstoßend einen Tiergarten mit allerlei Hirschen und Rehen. Die königliche Pracht dieser Dinge entzückt jeden Besucher.“

Eine etwas andere Übersetzung dieser Beschreibung ist auch im Pfälzischen Burgenlexikon und in einer Schrift des Förderkreises zur Erhaltung der Kaiserpfalz enthalten /3, 4/.

Der Pfarrer und Historiker Johann Georg Lehmann beschreibt die Kaiserpfalz auf Grundlage der gleichen Quelle etwas ausgeschmückt /8/:

"Ein Zeitgenosse des Rothbarts hat uns unter anderem auch von dessen königlichen Gebäuden, die er aufführen ließ, folgende wichtige Nachricht hinterlassen: an der Lauter ließ er ein königliches Haus oder eine Burg aus rothen Steinen erbauen und gleich seinen übrigen Pfalzen, mit großer angeborner Freigebigkeit einrichten, ausschmücken und befestigen. Auf der einen Seite beschützte und umschloß diese königliche Burg eine sehr starke Mauer und auf der andern Seite war sie unzugänglich durch einen, besonders angelegten großen Fischteich, später der Kaiserswoog geheißen, welcher sie wie ein Stein umspülte und der von wohlgenährten Fischen wimmelte, ergötzlich sowohl fürs Auge, als köstlich für den Geschmack. In der Nähe der Burg befand sich auch ein Thiergarten (von welchem noch das sogenannte Thierhäuschen, jetzt eine Ziegelei und Belustigungsort nahe bei Lautern, vorhanden ist), eine Menge Hirsche und Rehe einschließend und nährend /9/."

Dieser Neubau einer Kaiserpfalz wurde wohl kurz nach der Königskrönung von Friedrich I. 1152 in Auftrag gegeben. 1158 weilte Friedrich I. erstmals in der neuen, aber nicht ganz fertigen Pfalz. Grabungen in den letzten Jahren und dazu Berichte in der Presse /5, 6/, dass Kaiser Friedrich Barbarossa seine Burg nie gesehen hat, weil diese erst 1190 fertiggestellt wurde, stehen in einem gewissen Widerspruch zu der Beschreibung Rahewins. Aus den geschichtlichen Quellen ist bekannt, dass der Kaiser bis zu seinem Tod 1190 achtmal in Kaiserslautern war.

Meier stellt zur Beschreibung der Kaiserpfalz in Kaiserslautern fest, „dass diese Beschreibung des Sees mit den Wassertieren auch auf die Favara [Palazzo della Favara, ein königlicher Prachtpalast mit einem Park im Süden Palermos, dreiseitig von einem künstlichen See umgeben] übertragen werden könnte , während das Rotwild bei Palermo in Parco/Altofonte [rogerianischer Sommerpalast mit einem Wildpark] angesiedelt wurde. Über solche strukturell-topographischen Parallelen hinaus hatten die Normannenpaläste freilich wenig gemein mit der kaiserlichen Pfalz.“

Meier berichtet außerdem, dass der königliche Garten bei dem Schloss von Woodstock (Oxfordshire) vergleichbare Formen und Elemente wie die königlichen Gärten in Palermo aufweist. Während in Rahewins Beschreibung der Kaiserpfalz ähnliche Ansprüche nur deutlich werden, sind in Woodstock auf Grund sehr präziser Informationen zu den Gartenanlagen Parallelen zu der Anlage in Zisa (von arab. Aziz = glanzvoll, königliche Sommerresidenz aus der fatimidischen Epoche, mitten im königlichen Park gelegen, sich in den davor liegenden Wasserbecken spiegelnd /7/) zu erkennen. Enge Beziehungen des Königs von England und Bauherrn Heinrich II. (1133 – 1189) - ursprünglich Henry Plantagenet - nach Sizilien sind durch die Vermählung seiner Tochter Johanna mit Wilhelm II. von Sizilien im Jahr 1177 gesichert.

In Palermo wurde Roger II. (1095 – 1154) am 25. Dezember 1130 zum „Rex Siciliae et Italiae“ gekrönt. Roger II. setzte neue Maßstäbe im Residenzbau. Der Normannenpalast war im 9. Jh. als Sommerresidenz des Emirs von Palermo erbaut worden. Roger II. machte diese Residenz zu seinem Stadtsitz und ließ sie zum Regierungspalast umbauen, deren Luxus und Schönheit selbst an dem wenigen Erhaltenen noch beeindrucken. Roger II. hat die Hofkirche, die berühmte Cappella Palatina, im Normanenpalast in Palermo unmittelbar nach seiner Krönung in Auftrag gegeben. Sie wurde bis 1140 erbaut und gilt als besonders schön /7/.

Der Bau der normannischen Residenzen enthält nach /1/ die Zusammenführung der westlichen Tradition der fassadenbetonten Palasbauten mit der arabischen des Salsabil [im Islam Bezeichnung für Brunnen oder Quelle im Paradies], d. h. der Brunnen und Wasserläufe im Innern der herrscherlichen Räume. Ergebnis dieser Entwicklung ist die Verknüpfung von Architektur und Garten, von innen und außen. Arabische, byzantinische und romanische Elemente gehen in der normannischen Baukunst eine Synthese ein.

Die Kaiserpfalz in Kaiserslautern mit dem prachtvollen Wohnhaus am Fischteich und dem Tiergarten erinnert an die Residenzen in Palermo. Zufall aber Absicht?

Der Bauherr Friedrich I. hatte schon vor seiner Königsherrschaft von 1147 bis 1149 am Kreuzzug seines königlichen Onkels Konrad III. nach Palästina teilgenommen und lernte in dieser Zeit die arabische und byzantinische Kultur und Architektur kennen. Dies mag ihn bei seinen eigenen Bauplänen inspiriert haben. Durch die politischen und verwandtschaftlichen Beziehungen zu anderen Herrscherhäusern war er sicher gut über deren Residenzen informiert. Üblich war es in dieser Zeit, seine Macht durch großartige Bauten zu demonstrieren. Als Kaiser war es umso wichtiger, diese Macht durch eine prächtige Pfalz zu zeigen. Es liegt daher nahe, dass man versuchte, die Residenzen der Normannen als Vorbild zu nehmen und sie noch zu übertreffen.

Der Bau der Kaiserplatz direkt am See, teilweise auf sumpfigem Untergrund mit all den Problemen für eine stabile Gründung, war dem Kaiser wohl sehr wichtig und wurde trotz aller Schwierigkeiten umgesetzt. Daraus kann vermutet werden, dass das Konzept, welches offensichtlich von der Bauweise der Normannen beeinflusst war, großen Wert auf die enge Verbindung zwischen Palastgebäude und See legte.

Friedrich II. (1194 – 1250), Enkel von Friedrich I. „Barbarossa“ und dem Normannenkönig Roger II., war ab 1198 König von Sizilien und ab 1220 Kaiser des römisch-deutschen Reiches. Er war zweimal in der Kaiserpfalz in Kaiserslautern. Auf Grund seiner Bildung und Persönlichkeit kann angenommen werden, dass die durch ihn veranlassten Umgestaltungen der Kaiserpfalz /6/ durch seine Wünsche und Erfahrungen aus Sizilien beeinflusst waren.

Auch wenn keine konkreten Bauzeichnungen oder Beschreibungen der staufischen Pfalz vorliegen, wage ich zu behaupten, dass diese mit ihren umgebenden Anlagen mit den prunkvollen Normannenpalästen von Palermo mithalten konnte und stilistisch an diese anknüpft.



/1/ Meier, Hans-Rudolf: Die normannischen Königspaläste in Palermo – Studien zur hochmittelalterlichen Residenzbaukunst. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1994.

/2/ Gesta Friderici, nach Lehmann-Brockhaus 1938, Nr. 666; deutsch nach Hotz 1981, 44 (so zitiert in /1/, Seite 160).

/3/ Keddigkeit, Jürgen u. a.: Pfälzisches Burgenlexikon, Band 3, I – N, Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern, 2005, Seite 104.

/4/ Keddigkeit, Jürgen: Kaiserpfalz und Casimirschloß. Schrift des Fördervereins zur Erhaltung der Kaiserpfalz, Kaiserslautern 1995.

/5/ RHEINPFALZ vom 27. März 2012: Der Kaiser hat seine Burg nie gesehen.

/6/ RHEINPFALZ vom 30. März 2012: Lautern bleibt, was es war.

/7/ Carnabuci, Brigit: Sizilien. DUMONT Kunst-Reiseführer, 2013.

/8/ Lehmann, Johann Georg: Urkundliche Geschichte der Bezirks-Hauptstadt Kaiserslautern und des ehemaligen Reichslandes. Kaiserslautern 1853, Nachdruck Pirmasens 1974.

/9/ Radevici de rebus gestis Friderici I Rom. Imp. libri duo, vide Urstisii germaniae historicorum illustrium  Tomus I Vol. 557.

Ich freue mich über jede Ergänzung und Korrektur.

Autor:
Dr. Hermann Müller, Silvanerweg 7, 64646 Heppenheim

www.mueller-heppenheim.de

 

 Erstfassung November 2013, zuletzt bearbeitet am 7. Januar 2016.

 

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