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Letzte Erinnerung an das Kloster St. Jakob auf dem Donnersberg – Die Sakramentsnische

Sakramentsnische im „Waldhaus“

Mit zur Ausstattung unserer mittelalterlichen Kirchen gehörte der Wandtabernakel oder Sakramentsnische, aus der sich später das Sakramentshäuschen entwickelte. Ein heute oft wenig beachtetes Kleinod der kirchlichen Baukunst.Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde es üblich, die bei der Messe übriggebliebenen Hostien, die man nicht für die Kranken benötigte, aufzubewahren, um sie in einem späteren Gottesdienst den Kommunikanten zu reichen.  

 

Hierzu wurden ausreichend große Gefäße und ein geräumiger Aufbewahrungsort benötigt, wie ihn beispielsweise ein in die Wand eingelassener Schrank bot. Üblicherweise findet man diesen Aufbewahrungsort in der Nordwand des Chores. Bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts war die verschließbare Wandnische in Deutschland sehr verbreitet. Deutschland wird sogar als die „eigentliche Heimat des Wandtabernakels und des Sakramentshäuschens bezeichnet“ (1). Die immer reicher verzierte Nische entwickelte sich im Laufe des Mittelalters über die Wand hinausreichende Gehäuse bis hin zum freistehenden Sakramentshaus. Grund hierfür war die Verehrung des in der Hostie gegenwärtigen Leib Christi. Die Einführung des Fronleichnamsfestes und der Fronleichnamsprozession verstärkte das Schauverlangen der Gläubigen. Selbst wenn man die massiven Holz- oder Eisentüren der Sakramentsnischen durch weitmaschige Gitter oder gekreuzte Eisenstäbe ersetzte, war die Monstranz oder die Pyxis (2) kaum zu erkennen. Das Sakramentshaus als freistehender Turm (3) zog schon von weitem die Blicke der Kirchenbesucher auf sich. Genügend Öffnungen und die oft kunstvollen Gittertüren ließen genügend Licht auf die in ihm aufbewahrte Monstranz oder Pyxis fallen. Diese Entwicklung von der Wandnische zum freistehenden Sakramentshaus ging auch mit dem Bestreben einher die geweihte Hostie in einen würdigen Rahmen zu setzen.

 

In den Augen der Reformatoren war die Verehrung der Hostie „Brotanbetung“, da nach ihrem Verständnis sie sich nur im Augenblick ihres Empfanges im Abendmahl in den Leib Christi verwandelte. Somit wurden die Sakramentsnischen und Sakramentshäuser zur Aufbewahrung der Eucharistie überflüssig. Luther forderte sogar in seiner 1523 erschienenen Schrift „Vom Anbeten des Sakraments des heiligen Leichnams Christi“ die Abschaffung des Fronleichnamfestes und der Sakramentshäuser, weil weder das eine noch das andere „noth noch nutz ist“.
So erstaunt es nicht, dass in den reformierten und lutherischen Gebieten der Pfalz die Sakramentshäuser zerstört und die Sakramentsnischen zugemauert wurden.

 

In den protestantischen Kirchen des Donnersbergkreises haben einige Sakramentsnischen trotz aller Widrigkeiten die Stürme der Zeit überdauert. Manche waren zeitweise zugemauert und wurden im Zuge von Kirchenrenovierungen wieder entdeckt, wie zum Beispiel in Finkenbach und Münsterappel oder haben als Erinnerung an eine Kirche oder Kapelle die Wirren der Zeit überdauert. So zum Beispiel fand die alte Sakramentsnische des untergegangenen Klosters St. Jakob auf dem Donnersberg in einem Gasthaus einen neuen Aufbewahrungsort.

 

In der Gaststätte „Waldhaus Donnersberg“ ist das Sakramentshäuschen des ehemaligen Klosters St. Jakob auf dem Donnersberg in die Westseite der Gaststube eingemauert. Nach einem Bericht im „Handbuch von Rheinbaiern“ befand es sich 1828 in einem Zimmer der Meierei. Die ehemalige Klosterkirche wird in einer Beschreibung aus dem Jahre 1790 nicht mehr erwähnt. Anscheinend erschien es den Hofleuten schon damals beim Abriss der Klosterkirche für erhaltenswert. 1923 wurde es dann in das neuerbaute Waldhauses übernommen. Das aus rotem Buntsandstein gefertigte Sakramentshäuschen ist ca. 1,50 Meter hoch und 1,05 Meter breit und stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Als einziges Sakramentshäuschen im Donnersbergkreis weist es eine Inschrift auf: hic est ver(e) deu(s) (4) . Diese Inschrift spricht für den hohen Stellenwert der mittelalterlichen „Hostienverehrung“.

 

Die verschollene PyxisBei Ausgrabungen auf dem ehemaligen Klostergelände zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die zum Sakramentshäuschen gehörende Hostienpyxis (Hostiendose) gefunden, die ins Historische Museum nach Speyer kam. Die sehr wertvolle Arbeit deutschen Kunsthandwerkes aus der Zeit um 1200 war aus Kupfer, vergoldet und mit Emaille in Blau, Rot, Weiß und Grün geschmückt. Ursprünglich von rundem Grundriss, jetzt leicht gedrückt und beschädigt. Der Boden und Verschlussstift fehlten beim Auffinden. Die Höhe betrug 11,2 cm, der Durchmesser 6,5 cm. Vermutlich eine niederrheinische Arbeit. Die Pyxis ist heute leider verloren, da sie mit einiger Wahrscheinlichkeit zu den Objekten gehörte, die im Jahr 1945 vom Museum nach Germersheim ausgelagert und dort geraubt wurden. Im Kunstdenkmälerband ist uns ein Foto erhalten geblieben.

  


(1) Nussbaum, Otto: Die Aufbewahrung der Eucharistie, Bonn 1979, S. 399.
(2) Die Pyxis ist ein runder, ovaler, recht- oder vieleckiger Behälter von etwa 10 cm Durchmesser mit flachem sattel- oder kegelförmigen, pyramidenförmigen oder turmähnlichen Deckel, der durch Scharniere mit dem Gefäß verbunden ist. Diente zur Aufbewahrung der Hostien.
(3) Solche „Sakramentstürme“ haben sich in den katholischen Kirchen zu Herxheim, St. Martin und Sausenheim erhalten.
(4) „Hier ist der wahre Gott“.
(5) Bild aus: Lill, Georg: Die Kunstdenkmäler der Pfalz. VII Bezirksamt Kirchheimbolanden, München 1938, S. 61.

 

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