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Wein aus der Bibel an der südlichen Weinstrasse

Der Wein, der des Menschen Herz erfreut, wird in der Bibel häufig erwähnt. Der erste Bericht bezieht sich auf den Ursprung der Weinrebe nach der Sintflut. „Noah wurde der erste Ackerbauer und pflanzte einen Weinberg“ heißt es im 1. Buch Mose, 9 20.

Eine Legende, die aus diesen wenigen Worten entstanden ist, gestaltete der Künstler Prof. Gernot Rumpf als Brunnen neben der Sparkasse in Bad Bergzabern. – Die Legende selbst kann auf zwei Bronzetafeln neben dem Brunnen nachgelesen werden:

 
  • Als Noah, der Urahn aller Winzer, mit seiner Arche gestrandet war, schenkte ihm der Engel des Herrn eine Weinrebe. Damit die junge Rebe gut gedeihe, sollte er sie mit dem Blut eines Lammes und eines Affen begießen. Der Teufel, der diese Szene verfolgt hatte, fügte weiteres hinzu: Blut vom Löwen u. vom Schwein.
  • Seit dieser Zeit gilt vom Wein:
    Wer einen trinkt, wird fromm und zahm wie ein Lamm,
    Wer zwei trinkt, gelehrig und lustig wie ein Affe,
    Wer drei trinkt, stark und brüllend wie ein Löwe,
    Wer aber vier trinkt, der grunzt und wälzt sich wie ein Schwein.

– Man muss diese „Rumpfschen Viecher“ im Original gesehen haben.[i]

 

Ein weiteres Motiv der Bibel sind die beiden Traubenträger – die Kundschafter Josua und Kaleb (Num. 13, 7. 23), die auf einer langen Stange eine riesige Weintraube tragen. Wir finden ihre Abbildung unter anderem am Ehrenhain des Weinlehrpfades bei Schweigen.[ii] Es handelt sich dabei um ein ca. 20 cm hohes gusseisernes Reliefs aus dem 17. oder 18. Jh., das wahrscheinlich von einer Ofenplatte stammt.

Die gleiche Darstellung finden wird auch am Brunnen vor der Kirche in Ranschbach und an zahlreichen Hausfassaden.

Ich fragte einmal einen Weinbauberater, warum die Trauben an der Südlichen Weinstraße nicht so gigantisch werden, wie auf dieser Abbildung. Er erklärte mir, dass die Menschen früher nicht so groß geworden sind wie heute. –

 

Auch ein Zitat aus dem Johannes-Evangelium (15, 5) lässt sich mit dem Weinbau in Verbindung bringen:

Ich bin der Weinstock / Ihr seid die Reben

Wir finden es am Gedenkstein der Flurbereinigung von 1977 bei Kleinfischlingen – ebenso zusammen mit einem Christusrelief über dem Portal der 1896 erbauten katholischen Kirche von Birkweiler, sowie an dem 1951 datierten Kruzifix an der Weißkreuzstraße in Diedesfeld.

 

{gallery}geschichte/kleindenk_suew/kleindenk_suew01.jpg{/gallery}Ein nur schwer zu verstehendes Motiv ist die Darstellung von Christus in der Kelter, die aus der Zusammenschau von Jesaja 63, 2-3 und Offenbarung 14, 19 entstand. Hinzu kommt, dass der Wein bereits in der Bibel mit dem Blut Christi in Verbindung gebracht wird (Lukas 22,20).

Christus steht als Traubentreter in einer Schraubenkelter, während er gleichzeitig von der Weinpresse erdrückt wird, während das Blut sowohl aus seiner Wunde als auch aus der Kelter fließt, wo es von Engeln aufgefangen wird. Schon Albrecht Dürer und Hans Baldung Grien haben sich mit diesem Thema auseinander gesetzt.

Am Weinlehrpfad bei Schweigen zeigt uns ein kleines Eisengussrelief diese Szene.[iii] 
In Birkweiler finden wird das Motiv in einem 1964 geschaffenen {gallery}geschichte/kleindenk_suew/kleindenk_suew02.jpg{/gallery}Bildstock, der als Ziel bei Bittprozessionen dient. Bei Maikammer finden wir im Weinbergsgelände „Mittel Held“ südlich von Alsterweiler ein 1985/86 geschaffenes Kreuz mit einer entsprechenden Reliefdarstellung und dem Zitat aus Jes. 63, 3:

Ich allein trat die Kelter.

Auf den gleichen symbolischen Hintergrund bezieht sich ein anderes modernes Kreuz im Hainbachtal bei Gleisweiler – mit der Inschrift

Gott prüfet die Seinen in der Kelter des Lebens  

 

 

 

{gallery}geschichte/kleindenk_suew/kleindenk_suew03.jpg{/gallery}Die Bauinschrift des Hauses Steingasse 2 in Frankweiler ist zwar nicht als Bibelzitat gekennzeichnet, der Bauherr wählte jedoch Worte aus 2. Makk. 38–40, um seinen Bau zu vollenden. … allezeit Wein oder Wasser Trinken ist nicht Lustig sondern zuweilen Wein zuweilen Wasser trincken das ist Lustig [...]

 

 

 

 

Kleindenkmale an der Südlichen Weinstrasse
„Mit offenen Augen... – Kleindenkmale an der Südlichen Weinstraße“  von Rudolf Wild umfasst 112 Seiten und 82 Abbildungen. Es ist erschienen im Verlag für Burgenkunde und Pfalzforschung, Rolf Übel, Landau.

 

ISBN-Nr. 3-929893-17-7 

Bestellmöglichkeit bei "Pfälzer Buchkunst":
http://www.pfaelzer-buchkunst.de/hauptnav.html

 

 

 

 

 

 

 

[i]  Zitat aus:  Auf den zweiten Blick – Eine biblische Spurensuche in Bad Bergzabern,
Speyer / Bad Bergzabern 2003, S. 33.

[ii]  vgl. Husenbeth, Helmut: Josua und Kaleb - zur Geschichte und Volkskunde eines Slevogt'schen Motivs,  in: Heimat-Jahrbuch Südliche Weinstraße 1983, Otterbach 1982, S. 84 – vgl. auch Zink, Theodor: Deutsche Volkskunst 1931 / Frankfurt 1982, Abb. 50. „Steinbild mit den Kundschaftern. Rockenhausen. 1719“.

[iii]  ausführlich beschrieben von Husenbeth, Helmut: Christus in der Kelter, in: Heimat-Jahrbuch Südliche Weinstraße 1984, Otterbach 1983, S. 91.

 

 

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