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Steinkreuze

Friedhofkreuz von BöllenbornDas Kreuz ist das Glaubenssymbol des Christentums. Es symbolisiert zum einen den Opfertod Jesus Christus, und zum anderen die Verbundenheit der Menschen untereinander (Querbalken), sowie die Verbindung der Menschen mit dem Himmelreich (Längsbalken).

Ein Kreuz auf dem der gekreuzigte Christus (Corpus Christi) zu sehen ist, nennt man auch Kruzifix (vom lat. cruci fixus). Kreuze wurden ab dem 4. Jahrhundert aufgestellt. Die ersten wurden aus Holz gefertigt, dann kamen Steinkreuze aus Granit, Sandstein oder Basalt. Sie werden auch Flurkreuze genannt, da sie an den unterschiedlichsten Stellen in der Landschaft stehen. Man findet sie bei Kirchen, in Friedhöfen, in Gemeindezentren, an Wegen und Straßen, an Waldrändern, auf Anhöhen, Gemeinde- und alten Herrschaftsgrenzen, usw. ... Auftraggeber solcher Kreuzerrichtungen waren/sind die katholische Kirche und Privatleute.

In diesem Beitrag geht es um die typischen Kreuze und Kruzifixe in der pfälzisch/elsässischen Region. Es sind zwei Arten Steinkreuze die man hier finden kann, das einfache Steinkreuz und die Kreuze welche auf einem Sockel stehen - „Sockelkreuze“.

 

Kreuz in BirkenhoerdtDie einfachen Steinkreuze wurden zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert aufgestellt. Allerdings gibt es heute kaum noch welche. Sie sind ca. 1m hoch und wurden aus einem Block gefertigt. Da jedes dieser Kreuze eine eigene Geschichte hat, bzw. aus einem besonderen Grund aufgestellt wurde, heißen sie im Volksmund nach ihrem Aufstellungsgrund, zum Beispiel das Pestkreuz – zum Gedenken an die Opfer einer Pestepidemie, das Spatenkreuz oder Scharkreuz – weil unter ihm Menschen „verscharrt“ worden seien (bei Gossersweiler), das Schwedenkreuz – entstanden im Dreißigjährigen Krieg, das Sühnekreuz - es steht im Zusammenhang mit einem Totschlagsdelikt (der Nachweis für ein echtes Sühnekreuz bezeugt ein Sühnevertrag (beim Hambacher Schloss auf dem Rittersberg)), das Grenzkreuz – markierte die Grenzen eines Landes oder einer Herrschaft (bei Johanneskreuz) usw. .

 

Schmugglernamen auf dem KreuzAb dem frühen 19. Jahrhundert wurden die meisten „Sockelkreuze“ errichtet. Das Steinkreuz, das auf einem Sockel steht, mit oder ohne Kruzifix, ist ca. 2 - 3m hoch und wurde, je nach Künstler aus einem Block oder aus mehreren Teilen gearbeitet. Die Steinmetze und Bildhauer welche diese Kreuze gefertigt hatten, stammten aus der näheren Umgebung, genauso wie das Material dieser „Sockelkreuze“, es ist, der in der Südpfalz vorkommende, typische Bundsandstein. Auf den Sockeln befinden sich Inschriften, wie z.B.: Texte aus dem Johannes-Evangelium oder aus dem Alten Testament, Namenslisten gefallener Soldaten beider Weltkriege, aber auch die Auftraggeber, das Aufstellungsjahr und manchmal auch ein Renovierungsjahr. Auch hier hat jedes Kreuz seine eigene Geschichte, jedoch sind die meisten mit der Zeit in Vergessenheit geraten. Viele wurden zum Gedenken der Opfer beider Weltkriege (I. 1914-1918 \ II. 1939-1945) aufgestellt, aber auch an Orten wo Menschen verunglückten oder aus anderen Gründen. ... Da ihre Herstellung nicht billig war/ist gibt es von ihnen unterschiedliche Ausführungen, je nach Geldbeutel oder Kasse. Das einfache „Modell“ ist das FÜNF WUNDENKREUZ.

 

 

Fünf Wundenkreuz bei SilzEs steht natürlich, wie die anderen auch, auf einem Sockel und weißt die Wunden Christi auf: die durchbohrten Hände auf dem Querbalken, die durchbohrten Füße sowie das durchbohrte Herz und die Dornenkrone auf dem Längsbalken (z. B.: bei Birkenhördt, Stein, Silz oder Waldrohrbach). Unter den Füßen ist oft ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen zu sehen, dieser steht für die Vergänglichkeit und die Auferstehung. Am häufigsten wurde in der pfälzisch/elsässischen Region das Kruzifix aufgestellt.

 

 

HochkreuzDas „Standartmodell“, auch HOCHKREUZ genannt, besteht aus einem Sockel, dem Kreuz und dem Corpus Christi (z. B.: bei Böllenborn, Birkenhördt, Pirmasens, Stein, Annweiler, Eschbach, Landau, Herxheim, u. v. m.). Diese Hochkreuze unterscheiden sich untereinander in der Art der Verzierung (z. B.: das INRI – Schild: lat. Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum – „Jesus von Nazaret, König der Juden“, mehrfarbige/einfarbige Bemalungen oder kleeblattförmige Enden des Längs- und Querbalkens), der Darstellung Christi (z. B.: leidend oder als König (seltener, moderner, z. B.: bei Herxheim oder Eschbach)) und das Material aus dem der Corpus Christi gearbeitet wurde (Sandstein, Bronze, Terrazzo, usw. ...).

 

Kreuzigungskruppe bei Riedseltz (Frankreich)Das etwas aufwendigere „Sockelkreuz“ ist das Kruzifix (Hochkreuz) mit Maria Magdalena am Fuße, auch MAGDALENENKREUZ genannt (z. B.: bei Riedseltz (F), Landau oder Offenbach). Sie war der erste Mensch der Jesus Christus nach der Auferstehung gesehen hat. Das schönste Kreuz welches man finden kann, ist die KREUZIGUNGSKRUPPE, mit Jesus Christus am Kreuz (Hochkreuz), zu seinen Füßen befindet sich seine Mutter Maria, sein „Lieblingsjünger“ Johannes (Johannes blieb als einziger Jünger bei der Kreuzigung), sowie Maria Magdalena (z. B.: bei Riedseltz (F), Kleinsteinfeld oder Schwanheim).

 

Kreuz von LeimersheimDie Geschichte des Kruzifixes aus Leimersheim:

Als die Franzosen über die linksrheinische Pfalz herrschten (1795 – 1814), das Einkommen der täglichen Arbeit gerade zum Leben reichte, und die meisten Menschen auf dem Land in Armut lebten, blühte auch der einträgliche Schmugglerhandel. Einfaches Saatgut (Leinsamen) konnte, über den Rhein geschmuggelt, auf einen Schlag den Lohn eines ganzen Monats einbringen. So gab es eine zwölfköpfige Schmugglerbande aus Leimersheim, eine Bande wie es sie in fast allen Ortschaften am linken Rheinufer gab, die, wohl um den Segen Christi zu erbitten, ein Hochkreuz auf dem Friedhof von Leimersheim (siehe Foto) aufstellen ließen. Diese Schmuggler wollten wohl für ungestörtes Schmuggeln und Vergebung für gebrochene Gesetze bitten, dafür stifteten sie dieses Kreuz und ließen ihre Namen in den Sockel einmeißeln. In der Nacht vom 14. November 1811 wurden diese Schmuggler von französischen Zöllnern überrascht. Beim folgenden Schusswechsel wurde ein Zöllner getötet und zwei weitere schwer verletzt. Jean Zimmer und vier weitere Schmuggler wurden als dringend Tatverdächtige eingesperrt und verhört. Erst nach mehreren Tagen brach Jean Zimer sein Schweigen. Er gestand bei dem Schmuggel mitgewirkt zu haben und berichtete von dem Schmugglerring zu dem er gehörte. Die Behörden brauchten nur noch die restlichen Personen, deren Namen im Sockel des Kreuzes eingemeißelt waren festzunehmen und als diese dann auch gestanden, zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilen. Jean Zimer wurde am 20.10.1812 guillotiniert.

 

Weitere Informationen über Kreuze findet man auf der Internetseite: www.suehnekreuz.de

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