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Perleburg (VG Landstuhl, Gem. Kindsbach)

 Autoren: Jürgen Keddigkeit und Dieter Barz

Burgruine Perleberg, Luftaufnahme von Süden, 2000 (Aufnahme: Manfred Czerwinski, Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde)Die Perleburg wurde erst durch Begehungen, Forschungen, Grabungen und kleinere Veröffentlichungen des freiherrlich von Stumm’schen Försters [ ] Günther (vom Steigerhof), Rudolf Engelbach und Christian Mehlis nach 1901 einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Da es an urkundlichen Belegen mangelt, ist die Geschichte der Perleburg weitestgehend unbekannt. In Teilen der älteren Literatur wurde angenommen, es habe sich um einen „Wartturm zu Zeiten der Römer“ erbaut, gehandelt, andere hielten die Anlage für eine sickingische Grenzburg. Gegen diese Thesen spricht jedoch nicht zuletzt der archäologische Befund, der die Entstehungszeit der Wehranlage mit der Wende vom 12. ins 13. Jahrhundert gleichsetzt. Auch scheidet ein Zusammenhang mit Wynemar von Gymmenich, Herr zu Dudelingen und Berpurg aus, da mit seiner Zubenennung keinesfalls die Perleburg, sondern vielmehr das luxemburgische Berburg gemeint ist.

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In Erwägung gezogen wurde schon 1903 von Christian Mehlis und in jüngster Zeit auch von Volker Rödel die Erbauung der Burg durch die im Umfeld der Perleburg begüterten Herren von Hohenecken im Auftrag des Reichs bzw. der Hohenstaufen. Von einer eigenständigen Baumaßnahme der Hohenecker ist wahrscheinlich nicht auszugehen, dies war um 1200 dem Reichsministerialengeschlecht mit Sicherheit noch verwehrt. Ein Indiz ist jedoch sicherlich die geographische Lage inmitten des Reichslandes. Sie lässt den Schluss zu, dass der Bau der Burg wohl vom Reich bzw. einem Beauftragten des Reichs, hier wohl den Herren von Hohenecken, veranlasst bzw. durchgeführt wurde.

 

Burgruine Perleburg, Bergfriedwestseite, Abortschacht, 2002 (Aufnahme: Uwe Welz)Über das weitere Schicksal der Perleburg, die erstmals in einer sickingischen Grenzbeschreibung des 16. Jahrhunderts indirekt genannt wurde, ist nichts bekannt. Auch in der bekannten „Beforchung des ganzen Reichs Gewäld im Ambt Lautern“ von Philipp Vellmann im Jahre 1600 wurde die Bezeichnung Berleberg lediglich als geographische Bezeichnung eines damals in sickingischem Besitz befindlichen Berges genutzt. Offensichtlich diente die sehr wahrscheinlich nicht fertiggestellte Anlage spätestens seit dem 19. Jahrhundert als willkommener Steinbruch. Die noch 1913 zahlreich am Westabhang des Burgbergs umherliegenden Quadersteine sind bis auf wenige Ausnahmen mittlerweile verschwunden.

 

Baubeschreibung
Burgruine Perleburg, Bergfriedsrumpf von Südwesten, 2002 (Aufnahme: Uwe Welz)Die Burgstelle befindet sich auf einem kegelförmigen Gipfel, dessen Flanken insbesondere an der Südseite zwei bis drei Meter hoch senkrecht abgearbeitet wurden. Auf diese Art und Weise entstand ein Plateau (Durchmesser ca. 60 Meter), das mit der geplanten Grundfläche von rund 2.800 Quadratmetern der Burg identisch war. Der Weg zur Burg ist heute noch im Gelände erkennbar. Er verlief am Nordwesthang des Burgberges und mündete im Norden in die Burg. Die Reste einer zusammengefallenen Ringmauer an der Nordseite des Gipfelplateaus, die noch Christian Mehlis sah, sind kaum mehr nachweisbar; heute ist lediglich ein kurzer Ringmauerrest am östlichen Rand des Plateaus sichtbar. Gesichert ist der Bau(beginn?) eines Turmes. Der quadratische Turmstumpf (ca. 9 x 9 Meter), der eine Mauerstärke von ca. 1,39 bis 1,45 Meter aufweist, steht im südwestlichen Teil des Plateaus in einem Schutthügel. Erhalten haben sich mehrere, außergewöhnlich sorgfältig bearbeitete Buckelquaderreihen und ein geknickter Sockel mit zwei schmalen Reihen von Buckeln. Ein ähnlich geknickter Sockel fi ndet sich im heute pfälzischen Raum unter anderem an den Burgen Hohenecken, Landeck und Trifels. Die langgestreckten (50 bis 70 Zentimeter) oder quadratischen Quadersteine weisen sowohl kissenförmige als auch in den oberen Reihen (Schichthöhe: ca. 40 Zentimeter) noch unbearbeitete Buckel mit Randschlag (drei bis vier Zentimeter) auf. Wolfs- oder Zangenlöcher sind nicht
nachweisbar, waren bei der geringen (erhaltenen) Mauerhöhe auch noch nicht notwendig.

 

Burgruine Perleburg, Lageskizze von Ph[] Fauth, 1902 (in: MEHLIS 1903, nach S.24)Die bemerkenswert qualitätvolle Verarbeitung der Quadersteine, die besonders am Abortschacht mit den bossierten Eckquadern deutlich wird, korrespondiert mit der sorgfältigen Verarbeitung des Mauerwerks, dessen dünne Fugen beeindrucken. Ähnlichkeiten mit dem Mauerwerk am Bergfried des Trifels und Landeck sind feststellbar. Zahlreiche, teils unfertige oder vollständig behauene Buckelquader, einige mit Steinmetzzeichen versehen, aus grau-rotem Sandstein, die unmittelbar beim Turm, in der Hangschräge oder am Bergfuß zu fi nden sind, lassen die Annahme zu, dass zumindest der größere Teil des Turmes fast fertiggestellt war. Dafür sprechen auch die Reste eines rundbogigen Fenstergewändes auf der Südseite des Berges. Verschwunden ist ein Quader, den Christian Mehlis folgendermaßen beschrieb: Er „weist ein Wappen oder einen Tierkopf mit spitzen Ohren auf; das Spiel eines Steinhauers“. Bei Grabungen legte man 1959 den aus kleinen Sandsteinplatten bestehenden „mosaikartigen“ Fußboden des Turmes frei und auch die Reste eines Kamins. Aufgrund der relativ dünnen Mauern, einer Abortanlage im Erdgeschoss, des Kamins und einer relativ großen Nutzfläche von 36 Quadratmetern pro Geschoss, darf wohl mehr an einen Wohnturm als einen Bergfried gedacht werden.

 

Burgruine Perleburg, Grundrissskizze, 2007 (Entwurf u. Zeichnung: Dieter Barz)Es muss jedoch offen bleiben, inwieweit der Bau des Turmes und der Burg abgeschlossen wurde. Bei den bislang vorgenommenen Untersuchungen des Turms konnte keine Keramik geborgen werden. Der anstehende Felsen um das Bauwerk wurde bei den bisherigen Grabungen offenbar noch nicht erreicht. Hier könnten nur weitere archäologische Untersuchungen zur Klärung beitragen. Die sehr sorgfältige Mauertechnik mit Buckelquadern lässt eine grobe Datierung in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts oder in das frühe 13. Jahrhundert möglich erscheinen. Vergleichbare (Wohn? -) Türme sind zumindest im deutschen Sprachraum bisher nicht bekannt.

 

Allgemeine Informationen
Die frei zugängliche Burgruine befindet sich auf dem Gipfel des „Kleinen Berges“, südlich des Kaiserslauterer Stadtteiles Einsiedlerhof. Der Aufstieg ist beschwerlich, da ein Fußweg fehlt.

 

Topographie

Die Höhenburg wurde auf dem Gipfelplateau des 371 Meter hohen, nach allen Seiten steil
abfallenden, kegelförmigen „Kleinen Berges“ errichtet.

 

49*24’ 58,5’’N     07*40’8,3’’O

RW: 3403433      HW: 5476212

 

 

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Das Buch zum Bericht - Das Pfälzische Burgenlexikon

 

Band 4Der Artikel wurde in gekürzter Form entnommen aus: Pfälzisches Burgenlexikon, Bd. 4, O - Sp, hrsg. v. Jürgen Jürgen Keddigkeit, Ulrich Burkhart und Rolf Übel, Kaiserslautern 2007. Teil eins und zwei des 4. Bands des pfälzischen Burgenlexikons beinhalten Artikel über 113 bzw. 89 Burgen, Burgruinen und Burgstellen, ISBN 3-927754-48-X. Dieses Doppelwerk sowie die Bände 1, 2 und 3 sind in allen Buchhandlungen zum von Preis von jeweils € 39.90 erhältlich.

 

Die Bestellung kann auch direkt über den Online-Shop des Instituts für Pfälzische Geschichte und Volkskunde erfolgen. Zum Shop

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