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Herbstexkursion der POLLICHIA am 13. September 2009

Im östlichen Umland des Donnersberges.

Teil 1
Für die Herbstexkursion am 2.Septembersonntag hatte der neue Vizepräsident Dr. Geiger den Donnersberg und sein östliches Umland sowie die Stadt Kirchheimbolanden ausgesucht. Erster Schwerpunkt dabei waren Geologie, Bergbau und Gesteine, erste rBesichtigungspunkt der Steinbruch Dachsberg bei Göllheim, wo die Fa. Dyckerhoff über lange Jahre Tertiärkalk für die Zementherstellung abbaute. Inzwischen ist der Abbau eingestellt, und der zurückgelassene Steinbruch soll als Fenster in die Geologie touristisch erschlossen werden.

 

Der stillgelegte Steinbruch „Am Dachsberg“ der Dyckerhoff-Zementwerke, Göllheim, wird Ziel des Geotourismus.Es handelt sich hier um Ablagerungen im Küstenbereich eines vom südlichen Oberrheingraben vorgestoßenen Meeresarmes an der Wende Oligozän/Miozän (vor ~24 Mio. Jahren),die mit Mergel vermischt sind für die Zementherstellung nicht ungünstig. Die oberen Schichten zeigen Karsterscheinungen späterer Verwitterung. Allerdings musste,wie H.Will von seiner früheren Wirkungsstätte wusste, der Kalkgehalt mit Gestein anderer Gruben von 75% auf die notwendigen 78% aufgebessert werden. Dr. Jost Haneke, Geologe am Landesamt in Mainz und erwiesener Kenner der Region, erläuterte am Aussichtspunkt über dem Steinbruch die Situation, wo das Mainz-Eisenberger Becken an einer gut in der Landschaft erkennbaren Verwerfungslinie vor dem ansteigenden Donnersbergmassiv im Tertiär gegen über dem Pfälzer Bergland und
dem Donnersberg abgesunken war, um im Laufe der Zeit mit Fluss-, See- und Meeresablagerungen überdeckt zu werden.Weiter südlich schließlich erkannte man den allmählichen Übergang zum Pfälzerwald mit seinen Bergen aus Buntsandstein.

 

Jost Haneke erläutert die Geologie im Steinbruch Mannbühl östlich des Donnersberges, in dem basische Andesite abgebaut werden.Der nächste Beobachtungspunkt lag dann bereits am Südrand des Pfälzer Berglandes, also in den viel älteren Gesteinen der Wende Perm/Trias (was zugleich der Wende Paläozoikum/ Mesozoikum entspricht): es war eine Aufschlusswand der Standenbühl-Formation aus dem obersten Rotliegenden - oft besser bekannt unter dem früheren Namen Rötelschiefer - bei der Fa.Walther am Westrand Eisenbergs. Man sah schräggestellte Lagen von Ton- und Feinsandsteinen mit Kalkkonkretionen, die vor ca.250 Mio. Jahren in Seen abgelagert wurden. Damals waren die Kontinente zu einem „Pangäa" genannten Großkontinent vereinigt, und unser Raum lag damals äquatornah auf etwa 4Grad nördl. Breite. Der Weg führte weiter am Ortsteil Stauf mit der gleichnamigen Burgruine vorbei, der namensgebend für die hier vorkommenden Stauf-Schichten war. Diese zählen heute zum Zechstein, dem auf dem Rotliegenden (Unter-Perm) folgen den Ober-Perm, auf diesem liegt dann weiter südlich der Buntsandstein. Da als Zechstein in der Regel das marine Sediment eines von Norden vorstoßenden Meeres angesehen wurde, war die Zuordnung des hier auftretenden„ Staufer Konglomerats" länger umstritten - früher wurde es schon zum Buntsandstein gerechnet.
In Imsbach stellte dann Dr.Haneke das Pfälzische Bergbaumuseum, sein eigenes „Reich" vor, denn dort ist er auch Museumsleiter. Dort wird anhand von Gesteinsproben und alten Geräten Pfälzer Bergbau demonstriert, der hier und an anderen Orten Eisen, Kupfer, Kobalt, Silber und Quecksilber förderte. Diese Vorkommen sind auf sog. hydrothermale Vererzung zurückzuführen, erläuterte Dr. Haneke. Dabei sind im Donnersbergmassiv vor ca.160-200 Mio. Jahren heiße Salzlösungen aufgestiegen, die mit zunehmender Abkühlung in den oberen Gesteinszonen erstarrten und sich absetzten. Älter sind die Eisenerze, wie sie in der Grube Maria abgebaut wurden, jünger die anderen Metallerzvorkommen, die man z.B. in der Weißen Grube fand. Der Abbau wurde seit der Römerzeit betrieben - aber nur zeitweise, wenn man eine Verwendung für die Rohstoffe fand: z.B. Mangan als Farbpigment oder Kobaltals Porzellanfarbe.

 

Anfang der 1920er Jahre wurde der Abbau endgültig unrentabel. Die vulkanische Tätigkeit, die schließlich und
sicher unter heftigen Begleiterscheinungen das Vulkanmassiv des Donnersbergs heranwachsen ließ, hatte aber schon vor rund 290 Mio. Jahren im Ober-Rotliegenden begonnen. Das zähflüssige Magma stieg damals in zahlreichen Förderkanälen aus tiefen Magmakammern im Laufe von Jahrtausenden auf und erhob sich schließlich um fast 1000 Meter über seine Umgebung, bevor Abtragung, tektonische Absenkung, Überdekkung, erneute Hebung und Erosion das heutige Massiv entstehen ließen. Das harte Magmagestein, Rhyolith genannt, entspricht etwa einem feinkörnigen Granit. Infolge bald einsetzender Abtragung umgibt heute ein mächtiger Mantel aus eigenem Abtragungsschutt, das Rhyolithkonglomerat (eigentlich mehr eine Brekzie), das Massiv. Letzte Station des geologischen Teilswar der gewaltige Steinbruch am Mannbühl, der zwischen dem eigentlichen Donnersberg und dem nördlich gegenüberliegenden Kuhkopf-Rhyolith liegt. Hier wird Latit-Andesit, einer der typischen „Kuselite", als Schotter abgebaut, ein Magmagestein, das schon vor dem Donnersberg-Magma als gangförmiges Intrusivgestein aufgestiegen und noch vor Erreichen der Oberfläche erstarrt war.Heute ragt es aus dem Rhyolithkonglomerat heraus. Infolge der späteren vulkanischen Ereignisse beim Aufstieg des Donnersberg-Magmas wurde das Gestein hier besonders im Randbereich stark aufgeheizt und überformt, so dass eine Reihe interessanter Mineralien und Vererzungen entstanden sind.

 

Im Schlosspark von Kirchheimbolanden weist Erich Kulling auf den wertvollen Altbaumbestand hin.Teil 2
Das Nachmittagsprogramm der Exkursion wurde vom Leiter der POLLICHIA-Kreisgruppe Donnersberg, Herrn Ernst Will, geleitet. Drei Projekte in Kirchheimbolanden, an denen die Kreisgruppe beteiligt ist, wurden den Exkursionsteilnehmern von den daran beteiligten Experten vorgestellt. Durch den Schlossgarten führte zunächst Frau Bauer, die Leiterin des Schlossgartenfördervereins. Sie verwies insbesondere auf das alte Kelterhaus,das künftig als Informationszentrum genutzt werden soll, in dem die POLLICHIA mitwirken soll. Anschließend führte Herr Erich Kulling vom Grünflächenamt Worms zu wertvollen Baum-Raritäten im Schlosspark. Der 120-jährige Baumbestand des Schlossparkes wurde vor einiger Zeit von Herrn Erwin Herzog, damaliger Vorsitzender der POLLICHIA-Kreisgruppe, kartiert. Seither ist fast die Hälfte des Altbaumbestandes abgängig. Weitere Nachpflanzungen sind notwendig, um den Schlosspark für künftige Generationen zu erhalten.

 

Der Ziegelwoog am Ortsrand von Kirchheimbolanden war das nächste Exkursionsziel. Die beiden Ingenieure der Gesellschaft „renatur“, die Herren Otto Brauner und Rolf Wester, stellten das Sanierungskonzept vor. Zusätzlich informierte der Bürgermeister von Kirchheimbolanden, Herr Klaus Hartmüller. Vorgesehen ist eine Teilung des Teiches. Der vordere straßennahe Bereich soll öffentlich zugänglich sein. Ein Dammtrennt den hinterenTeil ab. Dieser unzugängliche und deshalb störungsarme Teil dient als Rückzugsraum, in dem sich Schilfröhricht ausbreiten soll und Deckung bieten wird.Zum Zwecke der Naturbeobachtung im „Grünen Klassenzimmer“ soll der Zugang für interessierte (Schul-)Gruppen ermöglicht werden.

 

Ernst Will erläutert die Wetteranzeigetafel in Kirchheimbolanden.Die elektronische Anzeigetafel der Wetterstation Kirchheimbolanden am Parkdeck bei der Kreisverwaltung in der Innenstadt war das letzte Exkursionsziel. Herr Ernst Will berichtete, dass die POLLICHIA bereits 2002 angeregt habe, eine Wetterstation in Kirchheimbolanden zu errichten. Zu ihrer Verwirklichung hat die Kreisgruppe einen erheblichen Beitrag geleistet und zusammen mit den Stadtwerken, der Stadt und der Verbandsgemeinde die Finanzierung gesichert. Die Wetterstation Kirchheimbolanden befindet sich am Wasserwerk „Grundloser Brunnen“ am Stadtrand. Die Messwerte sind im Zehnsekundentakt an der Anzeigetafel in Leuchtziffern sichtbar: Windgeschwindigkeit, Niederschlagsmenge, Luftfeuchte, Luftdruck, Lufttemperatur, Sonnenscheindauer und Globalstrahlung. Weiterhin wird die seit Januar 2008 summierte Leistung der in der Stadt befindlichen Photovoltaik-Anlagen und ihre Kohlendioxid-Einsparung angezeigt.

 

Auf Initiative der POLLICHIA gelang es, auch in vierweiteren zur Kreisgruppe gehörenden Verbandsgemeinden eine Wetterstation einzurichten: in Göllheim, Rockenhausen, Winnweiler und Obermoschel. Die Messergebnisse werden stündlich auch vom Wetterdienst Jörg Kachelmann zu Zwecken der Wettervorhersage abgerufen. Weiterhin stehen die Messdaten auch dem POLLICHIA-Arbeitskreis Meteorologie zur Verfügung.


Werner Schimeczek, Landau-Arzheim(Teil 1)
PDDr.MichaelGeiger, Landau (Teil 2)
(Fotos:M.Geiger)

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