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Die Exkursion der POLLICHIA-Kreisgruppe Kusel zum Geißweiher

Karte Die Exkursion der POLLICHIA-Kreisgruppe Kusel zum GeißweiherZu den vielen guten Gründen für eine POLLICHIA-Mitgliedschaft zählt die Möglichkeit, an unseren Exkursionen teilzunehmen, ganz gleich, von welcher Orts- oder Kreisgruppe sie jeweils ausgerichtet werden. Dort geben Gebietskenner Informationen aus erster Hand, die entweder weit durch die Literatur gestreut oder überhaupt nicht veröffentlicht sind. Eine jener pfälzischen Gegenden, zu denen die landeskundliche Literatur einen bedauerlich geringen Umfang aufweist, ist die Westpfälzische Moorniederung, allgemein auch als „Landstuhler Bruch“ bezeichnet.

 Dorthin führte eine Exkursion der POLLICHIA-Kreisgruppe Kusel am 15. September vorigen Jahres. Geleitet wurde sie vom Kreisgruppen-Vorsitzenden Wolfgang Steigner. Bei seiner Vorbereitung hatte er über die jeweils eigene Gebietskenntnis das in Publikationen, in Gutachten und bei weiteren Experten verfügbare Wissen zusammengetragen, sodass er einen umfassenden landeskundlichen Überblick mit allen wesentlichen Aspekten aus der Naturkunde und der Historie vermitteln konnte.

 

Abb. 1: Einführende Erläuterungen durchWolfgang Steigner vor demBetreten des „Geißweihers“.Ziel der Exkursion war der „Geißweiher“ nordöstlich von Landstuhl. Abgesehen vom Neuwoogmoor, im militärischen Sperrgebiet gelegen und daher für Gruppen unzugänglich, istder„Geißweiher“jener Teildes Landstuhler Bruchs, indem dessen einstiger Charakter noch am ehesten erkennbar ist. Die Exkursion beginnt auf einer Wegerweiterung zum Mitteldamm, wo den Teilnehmern wichtige Informationen zur Geologie der Niederung,  zur Entstehung, Entwicklung und auch zur früheren Nutzung und zur „Kultivierung“ des Bruches und vor allem auch zu den Torfmoosen gegeben werden(sieheauchdenKasten„Torfmoose, die wichtigsten „ ,Moorbildner’ “). Nachdem jeder Teilnehmer eine Lupe zur „gefälligen Benutzung“ erhalten hat, setzt sich die Gruppe in Bewegung. Der landschaftliche Aspekt des weiten Offenlandes mit seinen einzelnen Birken vermittelt durchaus noch den Eindruck eines Moores – bis man es betritt. Denn aus der Nähe wird der Niedergang des Naturschutzgebiets überdeutlich.

 

Abb. 2: Kaummehr schaurig, dochmühsamist’s, übers „Moor“ zu gehen.Schon nach wenigen Schritten stellen die Telnehmer fest, dass jetzt nach dem Ende der Brut- und Aufzuchtzeit der Vögel schlichtweg nichts zerstört werden kann. Das einstigeMoor ist, hauptsächlich infolge der großflächigen Entwässerung des Landstuhler Bruchs, zu einer „Pfeifengraswüste“ verkommen. Bei der durchquerten Fläche handelt es sich umeinen alten Torfstich, den man vor 30 Jahren allenfalls mit hohen Stiefeln hätte betreten können. An diesem Tag bleiben jedoch auch alle „normal verpackten“ Füße trocken. Das Pfeifengras, ein Wechselfeuchtezeiger, zeigt in Flach- und Zwischenmooren Belastungen des Wasserhaushalts durch zeitweilige Austrocknung des Oberbodens an. Mit der Zeit schließen sich die Pfeifengrasrasen und die einzelnen Horste wachsen zu wackeligen Bulten von mehreren Dezimetern Höhe auf. Die Senken zwischen ihnen nehmen die abgestorbene Streu des Pfeifengrases auf, die alle anderen Gewächse im Keim erstickt. Auch die spezialisierten Tiere desMoores haben hier keine Chance mehr.

 

Zum Zeitraum der Exkursion im Spätsommer legen die lebenden Pfeifengrasblätter eine seicht gewellte Decke über das unebene Terrain, so dass die „Löcher“ zwischen den Bulten unsichtbar werden und die Durchquerung des einstigen Moores eine sportliche Herausforderung darstellt. Nur an einer Stelle, wo eine flache Abgrabung zur Bewahrung der einstigen Moorvegetation vorgenommen worden war, kann Wolfgang Steigner den Teilnehmern noch letzte Exemplare des Rundblättrigen Sonnentaus präsentieren – ein matter Abglanz des einstigen Reichtums: Bis weit ins 20. Jahrhundert gab es noch größere Torfmoos- und Wollgrasbestände. Der Bereich war als Flach-und Zwischenmoor eingestuft worden. Zwei Sonnentau-Arten, die Moosbeere, der Skabiosen-Scheckenfalter, der Lungenenzian-Ameisenbläuling und viele weitere Raritäten aus Flora und Fauna hatten dort ihre Refugien gefunden. Ein guter Teil der Artvorkommen war als Relikte aus der vergangenen Eiszeit zu deuten. Über die in den 1980ern unternommenen Versuche, der Austrocknung des Geißweihers durch Anstau von Gräben entgegenzuwirken, kann der Exkursionsteilnehmer Günther Mohrbach berichten. Der altgediente Umweltaktivist hatte daran selbst mitgewirkt.Seit dem schnellen Verfall der Dämme setzt sich die Austrocknung des Geißweihers aber fort.

 

Abb. 3: Günther Mohrbach berichtete von den Versuchen zur Wiedervernässung des MoorsNach 100 Metern Gänsemarsch durch die „Pfeifengraswüste“ steht die Durchquerung eines Kiefernwaldes auf einem „Schachen“ an, wie die flachen Sandhügel im Landstuhler Bruch heißen. Leichter wird der Weg dadurch nicht, denn unter den Kiefern bildet der Adlerfarn dichte, übermannshohe Bestände. Der Adlerfarn profitiert von der Wasserzügigkeit im Unterboden, sein Name geht ursprünglich auf die „schwingenartige Befiederung“  zurück. In späterer Zeit wird der Name damit in Verbindung gebracht, dass der Querschnitt des Blattstiels die Formeines preußischen Doppeladlers zeigt. So steht es jedenfalls in diversen Büchern, und mancher, der hierzu schon Adlerfarn-Blattstiele durchschnitt, konnte die Deutung zunächst nicht begreifen. Nur schräg geschnittene Blattstiel-Abschnitte, die sich noch imBoden befinden, sind dazu geeignet. Die Lupe, bei Exkursionen mit Wolfgang Steigner immer dabei, lassen mit etwas Fantasie den zweiköpfigen „preußischen Doppeladler“, gleichwohl nicht Pate des Namens, erkennen.

 

Abb. 5: Der Schrägschnitt durch im Boden befindliche Blattstiel-Abschnitte des Adlerfarns bringt den „Doppeladler“ zum Vorschein.Sonstige Pflanzen sind nur wenige zu finden. Eine von ihnen, der Faulbaum, verdankt seinen Zweitnamen „Pulverholz“ seiner Eigenschaft, früher die beste Holzkohle bei der Herstellung von Schwarzpulver geliefert zu haben, dem davon ein Anteil von 12-20% untergemischt ist. Der Faulbaum ist gleichzeitig die wichtigste Futterpflanze für den Zitronenfalter. Zwar zählt der Faulbaum nicht eben zu den Raritäten, aber er ist bei weitem nicht so flächendeckend verbreitet wie der Schmetterling. Dies liegt daran, dass Zitronenfalter ausgesprochen mobil sind und als entwickelte Tiere etliche Kilometer von ihrer Entwicklungsstätte entfernt leben können. Wieder im Offenland, gelangt die Exkursion zu einer kleinen Stelle mit offenem Torfschlamm. Hierwar in den 1980er Jahren als Pflegemaßnahme das Pfeifengras beseitigt worden, und bis heute haben sich dort ein paar Exemplare des Rundblättrigen Sonnentaus gehalten.die sich noch im Boden befinden,sind dazu geeignet. Die Lupe, bei Exkursionen mit Wolfgang Steigner immer dabei, lassen mit etwas Fantasie den zweiköpfigen „preußischen Doppeladler“, gleichwohl nicht Pate des Namens, erkennen.

 

Sonstige Pflanzen sind nur wenige zu finden. Eine von ihnen, der Faulbaum, verdankt seinen Zweitnamen „Pulverholz“ seiner Eigenschaft, früher die beste Holzkohle bei der Herstellung von Schwarzpulver geliefert zu haben, dem davon ein Anteil von 12-20% untergemischt ist. Der Faulbaum ist gleichzeitig die wichtigste Futterpflanze für den Zitronenfalter. Zwar zählt der Faulbaum nicht eben zu den Raritäten, aber er ist bei weitem nicht so flächendeckend verbreitet wie der Schmetterling. Dies liegt daran, dass Zitronenfalter ausgesprochen mobil sind und als entwickelte Tiere etliche Kilometer von ihrer Entwicklungsstätte entfernt leben können.


Abb.4: Im Schachenwald kämpft sich die Exkursion durch hohe, dichte Adlerfarn-Bestände.Wieder im Offenland, gelangt die Exkursion zu einer kleinen Stelle mit offenem Torfschlamm. Hierwar in den 1980er Jahren als Pflegemaßnahme das Pfeifengras beseitigt worden, und bis heute haben sich dort ein paar Exemplare des Rundblättrige nSonnentaus gehalten. Während der Exkursion werden von anwesenden Mykologen auch einige Pilze gezeigt: Der Weiße Birkenporling (Piptoporus betulinus), der nach Leuchtgas riechende Schwefel-Ritterling (Tricholoma sulphureum), der Gallentäubling (Russula fellea) und der Zitronentäubling (Russulaochroleuca). Auf abgestorbenem Holz wächst der Grünspanbecherling (Chlorospleniumaeruginosum). Nach einer Besichtigung der „Lutherkanzel“, einem Zeugenfels nahe der Moordammmühle, geht die Exkursion zu Ende.

 

Den Teilnehmern ist mehr geblieben als ihre Erinnerung an einen gelungenen Nachmittag, da in einem vervielfältigten Skript interessante Fakten zum Nachlesen über Geißweiher und Landstuhler Bruch zusammengefasst worden sind. Damit nicht nur die Exkursionsteilnehmer, sondern auch interessierte POLLICHIA-Mitglieder das darin gesammelte Wissen jederzeit abrufen können, haben wir Wolfgang Steigner gebeten, das Skript für den Kurier noch einmal aufzuarbeiten.[...]

 

Heiko Himmler, Landau
Fotos: Bernd Behrens, Hochspeyer

 

 

 


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