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Der Kuckuck - Cuculus canorus

Zeichnung von Ute Knieriemen-WagnerEs geschieht innerhalb weniger Sekunden. Dann fliegt das Kuckucksweibchen auch schon wieder davon. Was ist geschehen? Ein taubengroßer Vogel hat einem Zaunkönigspaar ein Ei ins Nest gelegt. Damit diese den Schwindel nicht bemerken, hat die Kuckucksfrau dafür gleich ein fremdes Ei verschluckt. Das Kuckucksweibchen hat einen günstigen Moment ausgesucht.

Die Zaunkönigin hat noch nicht alle Eier gelegt, so dass das Kuckucksei genau zur richtigen Zeit kommt. Zudem hat der Kuckuck ihr das Ei erst am Abend untergeschoben, während die Zaunkönigin wie alle Vögel früh am Morgen oder am Vormittag mit dem Eierlegen beschäftigt ist. Als der Zaunkönig zurückkommt, entdeckt er den Eiertausch nicht, denn das fremde Ei ist ähnlich gefärbt. Das kommt daher, das jede Kuckucksfrau beim „Eierfärben“ auf die Pflegeeltern programmiert ist, deren Erziehung sie selbst genießen konnte. Kuckuckseier haben nur die Größe eines Sperlingseies. Dafür wiegen sie bis zu 40 Prozent mehr. Man hat bisher weit über 60 Wirte gezählt die der Kuckuck betrügt. In der Regel legt er in zehn Nester jeweils ein Ei. Ob Heckenbraunelle oder Rotkehlchen, Teichrohrsänger oder Bachstelze, der Kuckuck ist nicht wählerisch.

So etwas nennt man Brutparatismus. Der Kuckuck ist polyandrisch, das heißt, das ein Weibchen mit mehreren Männchen zusammen in einem Brutgebiet lebt.

Die Männchen kommen vor den Weibchen aus dem Überwinterungsgebiet in ihr vorjähriges Gebiet zurück und locken mit dem bekannten Kuckucksruf durchziehende Weibchen an. Wer seine Hände geschickt zu einem Hohlraum zusammen legt und den Ruf imitiert kann den Kuckuck im Frühjahr leicht anlocken. Der Tag des ersten Kuckucksruf im Frühjahr pflanzt sich wellenartig von Südeuropa nach Nordosten fort: Zwischen Süddeutschland und Südfinnland braucht diese Welle etwa drei Wochen, von Mitte April bis in das erste Maidrittel. In der ersten Junihälfte erlahmt dann die Ruflust der Kuckucke, erlischt aber nicht vor Ende Juli. Beim Rufen sitzt der Kuckuck auf einem Baumgipfel, lässt die Flügel hängen und hebt den etwas gefächerten Schwanz.

Der junge Kuckuck schlüpft meist früher als seine Stiefgeschwister. Er wächst extrem schnell. 10 bis 15 Stunden nach der Geburt erwacht im Jungkuckuck ein „Rauswurf“ Reflex, der ihn veranlasst, alle Dinge, mit denen er in Berührung kommt, über den Nestrand zu stemmen. Drei bis vier Tage lang lebt sich dieser Reflex aus. In dieser Zeit hat der Jungkuckuck alle seine Stiefgeschwister auf den Rücken geladen und über den Nestrand gewuchtet.

Sobald er fliegen kann macht er sich auf den Weg nach Afrika ohne jemals seinen Eltern begegnet zu sein. Südlich des Äquators begegnet er Artgenossen die ihm ähnlich sind aber niemals einen Zugdrang verspürt haben und sogar ihre eigene Brut selbst aufziehen.

Um keinen anderen Vogel ranken sich soviel Aberglauben und Volksbrauch. Der Kuckuck gilt als Wettermacher, Frühlingsbote, Glücksvogel und Prophet, der über Wohlstand und Lebenserwartung Auskunft gibt. Ungezählte Lieder besingen ihn.

Lit. Hinweise: Wunderland am Waldesrand; Verlag Thienemann.
Landvögel: Kosmos Naturführer.


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