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Die Schlüssel des Frühlings

Foto von Hans WagnerHeute habe ich eine schöne Wanderung durch die frühlingshafte Pfälzerlandschaft unternommen. Überall kann man nun die Frühlingsboten bewundern. Blaue Krokusse, die gelbe Blüte der Korneskirsche auch die Schlüsselblume blühte schon. In den Waldwogen haben Frösche abgelaicht und laut drang der Ruf des Schwarzspechts durch den Forst. Die Ganze Natur befindet sich in Frühlingsstimmung. Am meistem aber erfreute mich die Blüte der Schlüsselblume. Sie öffnen die Tore des Frühlings.

 

 Der Volksmund nannte sie Himmelsschlüssel, denn Germanen glich der Büschel gelber Schlüsselblumenblüten einem Schlüsselbund. 

Sie waren der Freya geweiht und sie allein hatte die Schlüsselgewalt, mit der die kosmischen Zeiträume geöffnet und wieder geschlossen werden. Für unsere germanischen Vorfahren waren diese Blumen daher Zauberpflanzen. Doch auch das Christentum wusste um das Geheimnis der Schlüsselblumen. So erzählt eine alte Sage folgendes: Eines Tages versuchte der Teufel in den Himmel zu schleichen. Ganz leise und behutsam pirschte er sich heran. Als Petrus den Schatten des Himmelsfürsten sah, erschrak er so sehr, das ihm der Schlüsselbund aus den Händen glitt und auf Erden fiel. Als die Schlüssel den Boden berührten, verwandelten sie sich in Schlüsselblumen. Auch in die Sagen und Märchenwelt fand die Schlüsselblume ihren Zugang. So erzählt ein altes Pfälzer Märchen folgendes: Einem Ziegenhirten erschien einst eine wunderschöne Frau. Sie schenkte ihm eine Schlüsselblume und sagte ihm, er könne damit einen Felsen, der hinter der Waldwiese lag wo der Hirte seine Ziegen hütete aufschließen. Alles was er darin finde, könne er behalten. "Vergiss also das "Beste" nicht!" warnte sie ihn noch ehe sie verschwand. Der Ziegenhirte berührte die Felswand und tatsächlich öffnete sie sich. Aber darinnen lagen nur alte Ziegenzähne. Einen davon steckte er launisch in seine Hosentasche und die Schlüsselblume warf er achtlos zur Seite. Dann trat er wieder ins Freie. Der Fels schloss sich wieder hinter ihm. Als er in die Tasche griff und den Ziegenzahn herausholte, merkte er, dass dieser sich in pures Gold verwandelt hatte. Aber er konnte nicht mehr in die verschlossene Felshöhle eintreten, denn die Blume, das "Beste", hatte er dort gelassen. Immer wieder kehrt in Sage und Märchen die Schlüsselblume als Helferin und Öffnerin geheimer Schatztruhen und Felshöhlen auf. Und nach einem langen harten Winter öffnet sie uns auch heute immer noch verborgene Schatztruhen, vor allem denn größten und schönsten Schatz denn es zu entdecken gibt- denn Schatz der Natur.

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