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Der Wald im Winter

Die Buche

 

Die Buche sagt: Mein Walten bleibt das Laub.
Ich bin kein Baum mit sprechenden Gedanken,
Mein Ausdruck wird ein Ästeüberranken,
Ich bin das Laub, die Krone überm Staub.

 

Dem warmen Aufruf mag ich rasch vertraun,
Ich fang im Frühling selig an zu reden,
Ich wende mich in schlichter Art an jeden.
Du staunst, denn ich beginne rostigbraun!

 

Mein Waldgehaben zeigt sich sommerfroh.
Ich will, dass Nebel sich um Äste legen,
Ich mag das Nass, ich selber bin der Regen.
Die Hitze stirbt: ich grüne lichterloh!

 

Die Winterspflicht erfüll ich ernst und grau.
Doch schütt ich erst den Herbst aus meinem Wesen.
Er ist noch niemals ohne mich gewesen.
Da werd ich Teppich, sammetrote Au.

                                         Theodor Däubler (1876 - 1934)

 

Zu jeder Jahreszeit bietet der Pfälzerwald dem Wanderer etwas einmaliges. Der Wald kennt keine Winter-Tristesse das Gegenteil ist der Fall, auch in der kalten und kahlen Jahreszeit verwöhnt er den Wanderer mit seinen schöpferischen Offenbarungen. Während uns im Frühjahr, Sommer und Frühherbst das rauschende Blattwerk unserer heimischen Waldbäume fasziniert, so ist es im Winter ihre archaisch anmutende Wuchsform, die unser Auge in Bann zieht. An ihrer Wuchsform sind die verschiedenen Bäume schon aus der Ferne zu erkennen. Es sind vor allem alte Bäume, die im Einzelbestand (Solitär) aufgewachsen sind, welche uns nun, im unbelaubten Zustand, ihre Geschichte erzählen. Schon auf den ersten Blick kann man auf Ihren arttypischen Charakter und ihr Baumwesen schließen. Wie unterschiedlich präsentieren sich uns doch diese geheimnisvollen Baumpersönlichkeiten! Knorrig und Lebensstark zugleich zeigen sich uns die Eichen, als würden sie sich gegen alles wenden. Die Linden wirken luftig, locker und einladend. Harmonisch der schlanke Wuchs der Eschen, der heilige Baum unserer germanischen Vorfahren strebt schwungvoll in die Lüfte, so als wäre es sein Ziel alle anderen Bäume an Höhenwuchs zu überragen! Düster und in sich gekehrt erscheinen im Winter die Erlen, deren Äste waagrecht vom Stamm abstehen als warteten sie auf den Erlkönig. Elegant steht die Birke da, ihre schwarz-weiße Rindenhaut erzählt von vergangenen Frühlingsnächten. Wie Traumfiguren stehen die spitzen Baumpersönlichkeiten der Tannen und Fichten in der pfälzischen Waldlandschaft.

 

Vor allem im Winter fällt dem Wanderer das urtümliche Geschehen in den Wäldern auf. Nun da der Wald nicht mehr im verborgenen Schattendickicht des Blattwerks steht, erkennt man den ständigen Daseinskampf der im Wald immer stattfindet. Eine Wirklichkeit tut sich auf, die uns bisher vielleicht verborgen geblieben ist. Auf dem Boden breitet sich der Friedhof des toten Laubes wie ein Teppich aus, durchwimmelt vom Leben der Mikroben und kleinen Tiere, die das anscheinend erlöschende in einen Nährboden neuen Lebens verwandeln. Alte von Pilzen und Flechten überwucherte Baumveteranen kämpfen uns überleben, noch in ihrem Untergang bieten sie zahlreichen Tieren Heimstatt und Schutz.

 

Im Winterwald erkennen wir die Strukturen und faszinierenden Muster eines göttlichen Weltenplanes, ablesbar von den knorrigen Rinden und dem mächtigen Wurzelwerk der Bäume. Jetzt im Winter begegnet der Wanderer den Spuren eines unbarmherzigen Wettrennens zum Lichte und zu den nährenden Säften der Erde. Mitten in der Friedlichkeit, in der Harmonie des Waldes erscheint uns der Baum in seinem Existenzkampf wie ein Lehrmeister des eigenen Lebens. Man erkennt mit einem Male den Kampf der Bäume gegen die Elemente der Natur - des Feuers, der Hitze, der Stürme, der Kälte. Dem Wanderer erscheint der Winterwald wie ein Buch in dem ein großartiges Schöpfungsalphabet aufgezeichnet ist. Es ist mehr als das Formale, das uns der Wald im Winter lehrt, es ist Entstehen, Übergang und Verwandlung was den Zauber winterlicher Wälder ausmacht. Zu jeder Jahreszeit gibt uns der Pfälzerwald einen Teil seiner Geheimnisse und seiner Harmonie preis.

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