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Eine Herbstwanderung

Zeichnung: Ute Knieriemen-WagnerHerr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

 

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollending hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

                                                     Rainer Maria Rilke

 

In seiner Farbenpracht ist für viele Wanderer der Herbst jene Jahreszeit, zu der sie am liebsten durch die Wälder streifen. Er ist gleichzeitig auch die vergänglichste der Jahreszeiten und hebt sich vom gewöhnlichen ab wie ein festlicher Augenblick, der sich vom Alltagsgeschehen unterscheidet.

 

Ähnlich dem Altweibersommer gibt es auch in der ersten Hälfte des Monats Oktober oftmals noch einmal eine Schönwetterperiode. Wenn sich bis zum Vormittag hin die Bodennebel aufgelöst haben, wird es meistens nochmals angenehm warm mit Temperaturen bis zu 20°C. Man nennt diese Zeit im Volksmund "Goldener Oktober". Der Name rührt von der Laubfärbung der Bäume her. Fällt die Oktobersonne in das gelb-rot gefärbte Blätterwerk, dann erscheint in Verbindung mit dem blauen Herbsthimmel jene Stimmung im Pfälzerwald, die wir "Goldener Oktober" nennen.

 

Der Wanderer, der um diese Jahreszeit Trippstadt aufsucht, um hier ausgiebig zu wandern, sollte, bevor er in die Tiefen des Pfälzerwaldes aufbricht, unbedingt den Trippstadter Schlosspark aufsuchen. Im Herbst gleicht dieser historische Park mit seinem Altbaumbestand und dem mächtigen Barockschloss einem Gesamt-kunstwerk. Die starken alten Laubbäume schillern in sämtlichen Herbstfarben, so dass der Besucher sich nicht zu wundern braucht, wenn er plötzlich bemerkt, dass er mit den Augen des Landschaftsmalers sehen kann. Mit diesen Bildern im Herzen sollte er nun aufbrechen, in die versteckten romantischen Täler und sanfte Höhenzügen, die der Pfälzerwald hier bei Trippstadt dem leidenschaftlichen Wanderer zu bieten hat.

 

Auf seinem Weg durch den schillernden Herbstwald erlebt der Wanderer in den Wäldern um Trippstadt eine ursprüngliche Landschaft, wie man sie heute nur noch selten findet. Ausgedehnte Laubwälder sorgen für frische sauerstoffreiche Luft und ein gesundes Klima.

 

Zeichnung: Ute Knieriemen-WagnerVon Aussichtstürmen und Aussichtsfelsen kann man den Blick über den ganzen Pfälzerwald schweifen lassen. Alte Gemäuer, im Walde versteckt, erzählen historische Geschichten. Zahlreich sind die romantischen Brünnlein und Quellen, die in dieser Gegend des Pfälzerwaldes rieseln. Die Sonne hat ihre gnadenlose Kraft eingebüßt und scheint nun sanft auf die einsamen Waldwege. Überall sprießen nun die Pilze, die geheimnisvollen Geschöpfe der Nacht. Eines schönen morgens sind sie plötzlich da, meist nach einem leichten Nieselregen in der Nacht. In der Nähe von Birken und Fichtenbäumen findet sich nun der majestätische Fliegenpilz, aber auch Steinpilze und Hexenröhrlinge sprießen nun überall aus dem Boden. Auch die Heckenrose blüht jetzt in ihrer wundervollen Farbenpracht. Nachdem sie bereits im Frühjahr die pfälzische Landschaft mit ihren rosa und weißen Blüten verzaubert hat, präsentiert sich der Strauch im Herbst zum zweiten Mal in seiner vollendeten Schönheit.

 

Für die einheimische Vogelwelt zählt dieser Strauch zu den wichtigsten Nahrungsquellen. Jetzt, wo die Luft so klar und frisch ist, wo manchmal noch ein letzter Schmetterling taumelnd zu den Blüten der Disteln fliegt, blinken am Abend auch die ersten Herbststerne. Der Wanderer, der um diese Zeit in eines der gemütlichen Gasthäuser in Trippstadt einkehrt, sollte beim Verlassen auf jeden Fall seinen Blick hoch zu diesen Diamanten des Himmels bewegen. Denn um diese Jahreszeit kann man den Sternenhimmel besonders gut beobachten.

 

Wer in Trippstadt wandert, wird von der Natur verwöhnt werden und das schönste Geschenk, das er von hier mitnimmt, ist die Erinnerung an die großartige Vielfalt des Pfälzerwaldes.

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