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Erinnerungen an die alte Alsenzbrücke in Langmeil

Die alte Brücke kurz vor ihrem Abriß

Die alte Ost-West-Straße, die von Metz kommend dem Rhein zustrebt, wurde in den Jahren 1807 bis 1811 von Napoleon zur „Kaiserstraße“ ausgebaut. Vorrangig dürften für Napoleon damals militärische Erwägungen für den Ausbau zur „Straße 1. Klasse“ den Ausschlag gegeben haben.
Im Zuge dieses Ausbaues entstanden auf der 125 km langen Strecke der Kaiserstraße 12 große und 58 kleine Brücken und Durchlässe. Eine der größeren Brücken war die alte Alsenzbrücke in Langmeil.

 Die Beschreibung aus dem alten Brückenkataster:
„Diese aus drei im Segmentbogen gewölbten, je 4 Meter weiten Öffnungen bestehende Brücke über die Alsenz in der Traverse Langmeil wurde 1808 gleichzeitig mit der Straße erbaut, ist auf Pfahlroste aus Eichenholz fundiert. Die Widerlager nebst dem anschließenden, schiefen Böschungsflügeln, die beiden je 0,80 Meter starken Pfeiler und Lisenen, sowie die Gesimse und Brüstungen sind aus rein bearbeiteten Sandsteinquadern, die Gewölbe aus gebrannten Backsteinen hergestellt. Die 16,10 Meter lange, 9,00 Meter breite Brückenfahrbahn ist mit Melaphyrsteinen gepflastert. Die Gewölbe sind 0,60 Meter, die Flügel 0,95 Meter stark und die Brücke von Stirn zu Stirn 10,00 Meter lang.“

 

Skizze aus dem Brückenkataster

Die verwaltungstechnische Bezeichnung war übrigens „Brücke a 19 über die Alsenz in der Traverse Langmeil“.

Als die Brücke fertiggestellt war und Napoleon zum ersten Mal Langmeil passierte, wurde ihm von einem Mädchen ein Blumenstrauß überreicht, worüber er sichtlich erfreut war. Dieses Mädchen war Katharina Eymann, die später durch ihr in den Nordpfälzer Geschichtsblättern veröffentlichtes Tagebuch der Nachwelt in Erinnerung bleiben sollte.
Es war übrigens vorgeschrieben, dass Napoleon auf seinen Reisen in jeder Stadt und Gemeinde unter Glockengeläute und Böllerschüssen von den Behördenvertretern und festlich gekleideten Mädchen zu begrüßen war.

Wie die Eintragungen im Brückenkataster zeigen, mußten an der Brücke immer wieder Reparaturarbeiten ausgeführt werden:

1851 wurden an der stark gelittenen Brücke die ersten Reparaturen vorgenommen. „Die schadhaften Quader der Pfeiler und Widerlager 5,878 cbm Hausteine wurden ausgewechselt und die Stirnen der Brücke mit heißem Leinöl angestrichen, was einen Kostenaufwand von 80 Mark und 43 Pfennigen veranlasste“.

Für das „Ausfugen der Brücke“ im Jahre 1860 wurden 38 Mark und 40 Pfennige verausgabt.

Die im Jahre 1871 erfolgte Reparaturarbeiten erforderten einen Kostenaufwand von 1311 Mark und 80 Pfennigen. Über die Art der vorgenommenen Reparatur ist leider nichts überliefert. Sie müssen aber aufgrund der angefallenen Kosten nicht unerheblich gewesen sein.
Kein Wunder, denn über unsere Alsenzbrücke ist ein Großteil der deutschen Truppen marschiert und wurde anscheinend schon ganz besonders beansprucht.

Die sich auf 182 Mark und 35 Pfennigen belaufenden Reparaturarbeiten im Jahre 1882 bestanden im „Einziehen von 9 Hausteinquadern, Ausbessern der Gewölbe unter Verwendung von 275 gebrannten Backsteinen und 1,5 Tonnen Cement“.
Nachdem im Jahre 1896 die Instandsetzung des durch Frosteinwirkung beschädigten Mauerwerks der beiden Widerlager und Pfeiler, Gewölbe und Steinmauern durchgeführt worden war, erfolgte im Frühjahr 1897 die Erneuerung bzw. Auswechslung der vollständig verwitterten Gesimssteine unter Verwendung frostbeständiger Sandsteine aus den Pfalzbahnsteinbrüchen bei Hochstätten. Gleichzeitig wurde das Brückenpflaster beseitigt und durch eine „Chaussierung auf Grundbau mit 4,30 Meter Breite“ ersetzt, an welche sich beiderseits Rin¬nenpflaster von 2,10 Meter Breite anschließen. Die Baukosten für diese Maßnahme beliefen sich auf 1279,13 Mark

.

Die Brücke im QuerschnittWeitere Reparaturmaßnahmen sind in dem Brückenkataster leider nicht mehr aufgeführt. Da der gesamte Ost-West-Verkehr bis zum Jahre 1938 über diese Brücke rollte, dürften auch in der Folgezeit noch die eine oder andere Wartung und Reparatur stattgefunden haben.

Eine Entlastung erhielt die Brücke durch den Bau der Umgehungsstraße mit der großen Brücke über Alsenzstraße, Bahnlinie und Alsenz im Jahre 1938. Die Umgehungsstraße wurde von den Langmeilern gerne gesehen, befreite sie sie doch von der lästigen Staubplage des damaligen Verkehrs. Der Brückenbau wurde übrigens von der Deutschen Reichsbahn gefördert, hoffte sie doch den Bahnübergang zu beseitigen und den dort bestehenden Bahnposten einzusparen. Es hat sich also nicht viel geändert.

Im Zweiten Weltkrieg blieben die beiden Langmeiler Brücken von den vielen und heftigen Bombenangriffen der Alliierten verschont. Auf dem Rückzug der deutschen Truppen wurde die Umgehungsbrücke von ihnen gesprengt. „Ein kleiner Pioniertrupp war gegen Abend unter Führung von zwei Offizieren ins Dorf gekommen und hatte den Auftrag, die beiden Brücken über Bach und Schiene unpassierbar zu machen. Auch die Brücke über den Wäschbach (Richtung Imsbach) sollte gesprengt werden. Bürgermeister August Eymann versuchte alles, um diese im gegebenen Stadium des Krieges doch ganz sinnlosen Maßnahmen zu verhindern. Die beiden Dorfbrücken konnte er erhalten, die neue Hochbrücke wurde gerade über der Alsenzstraße nachts um drei Uhr (19. März 1945) durch eine Sprengung demoliert.1
Nun rollte der komplette Verkehr wieder für einige Jahre durchs Dorf.

Nach der Reparatur der großen Brücke, schlug 1955 für unsere alte Alsenzbrücke die Sterbe¬stunde: „Nicht als ob sie mit ihren schweren Quadersteinen altersschwach geworden wäre, nein, aus strategischen Gründen wurde sie im vergangenen Jahr abgebrochen und durch eine aus Eisenbeton ersetzt. Zahlreiche Zuschauer kamen und besahen das sterbende Meisterwerk. Ein doppelter Rost aus Eichenholz bildete eine solide Unterlagen, die noch lange, lange Zeit ausgehalten hätte.“
In einem Fundamentstein fand man eine eingelassene Zinnplatte, die uns in französischer Sprache Auskunft gibt über Baujahr der Brücke und über die Namen all der Dienststellen und Männer, die am Brückenbau beteiligt waren.2

 

Die bei den Abrissarbeiten gefundene ZinnplatteDie deutsche Übersetzung lautet:
„Im Jahre 1809 der christlichen Zeitrechung, im 6. Regierungsjahr Napoleons des Großen, des Kaisers der Franzosen, des Königs von Italien, des Protektors des Rheinbundes, ist diese Brücke erbaut worden auf Befehl des Herrn kaiserl. Grafen Montalivet, des Generaldirektors des kaiserlichen Corps der Brücken und Straßen, unter der glücklichen Verwaltung des Herrn Jean Bon St. André, Präfekt des Departements Donnersberg, Mitglied der Ehrenlegion, weiter des Herrn Ruell, Generalsektretär der Präfektur, Herrn Six, Div.-Inspektor des kaiserlichen Corps der Brücken und Straßen, des Herrn St. Far, Chefingenieur des Donnersberg-Departements, des Herrn Arnold, Ing. des Wasserwirtschaftamtes von Mainz, Herrn Odobel als Bauführer und des Herrn Kretzer als Bauunternehmer.“

 

1 Franck, Fritz: Krieg über der Heimat, Winnweiler 1963, S. 22.
2 Drumm, Otto: Erinnerungen an die napoleonische Zeit, in: Nordpfälzer Geschichtsblätter , S. 161f.

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