Surf-Tip

Unsere Empfehlungen

Der Ringwall auf dem Donnersberg

Das vulkanische Donnersbergmassiv beherrscht als mächtiger Eckpfeiler am Ostrand des Nordpfälzer Berglandes den Nordteil der Oberrheinebene bis hinüber zum Odenwald, zum Taunus und den Rheingaubergen. Ein Kranz heute zerstörter Burgen und Klöster aus der Zeit des Mittelalters, in den sich auch eine Abschnittsbefestigung auf dem Kübelberg einreiht, umgibt den Hauptteil des bewaldeten Massivs. Das Oval des Bergmassivs ist nach Süden, zum Pfrimmtal hin, in eine Anzahl von Kuppen und Hügelzügen aufgelöst. Hier im Südteil ist das berühmte Erzrevier des Berges, dessen Roteisenstein und Kupfer seit frühgeschichtlicher Zeit gewonnen wurden, während sich der Abbau von Silber und Kobalt seit dem Hochmittelalter nachweisen läßt. Eine Anzahl von Grabhügelgruppen in der umgebenden Landschaft, die Besiedlung der vorchristlichen Eisenzeit dokumentierend, häuft sich besonders im Raum am Südfuß des Massivs. Untersuchungen erbrachten in einer dieser Gruppen auch Grabfunde der älteren Hallstattzeit.

 

 

Die schon erheblich dichter auftretenden Siedlungszeugnisse der römischen Zeit reichen - außer im Erzrevier - nur bis an den Rand der Höhenzüge, die das Massiv in weitem nördlichen Halbkreis umlagern. Im Westen und im Osten heben sich in den Bereichen von Rockenhausen und Kirchheim-Bolanden ländliche Siedlungszentren heraus, im weiteren Südosten liegt das römische Eisenberg, Platz einer Schwerindustrie. Durch die Senke am Südfuß und im Bogen um die östlichen Vorhöhen des Bergstockes verläuft die Römerstraße Mainz-Metz. über den römischen Straßenknotenpunkt vicus Altiaia (Alzey) im Nordosten erreicht sie den Rhein bei Mainz. Die Besiedlung im Frühmittelalter macht, abgesehen von Vorstößen entlang der weiter benutzten Römerstraße in das Bergland hinein und aus der Kreuznacher Bucht das Alsenztal im Westen aufwärts, an den östlichen Rändern des Berglandes Halt. Seit der spätmerowingischen Zeit entstehen auf der Höhenlandschaft um das Donnersbergmassiv neue Siedlungen als Ausbauorte vom Altsiedelland her.

 

Der Hauptteil des Massivs im Norden trägt eine große Hochfläche, die von Norden her durch die tiefen Täler der Eschdelle und der Königsdelle eingeschnitten wird.In ihnen fließen die aus starken Quellhorizonten der Hochfläche gespeisten Bäche gleichen Namens ab. Auf der Hochfläche steigt die Kuppe bis zu 687 in ü. M. hoch.

 

Der in der Verwitterung leicht zerfallende gelb-rotviolette zerklüftete Quarzporphyrit des Massivs bildet große, die Hänge bekleidende Gesteinshalden und an den Rändern der Hochfläche zutage tretende Schuttfelder. Der Name des Berges begegnet für den Hauptteil bereits 876 als Thoneresberg, und noch 1468 wird eine der typischen niedrigeren Kuppen im Süden Guddesberg = Wotansberg genannt. Dieser Name ist in den Bereichen des heutigen Dorntreiberkopfes und Hühnerberges zu lokalisieren.

 

Die einst für das kultische und politische Leben der Umgebung bedeutsame Stellung des Berges findet in der jüngeren und jüngsten Geschichte ebenfalls ihren Niederschlag, und zwar in der Benennung von Verwaltungseinheiten nach diesem. Der auf dem Gipfelrücken im Jahre 1864 errichtete und nach dem Bayernkönig Ludwig 11. benannte Aussichtsturm gewährt cinen umfassenden Rundblick über die vom Berg beherrschte Landschaft. Seit Beginn dieses Jahrzehntes wird die Silhouette des Berges von einem Fernsehturm mitgeprägt.

 

Das Ringwallsystem auf der ohnehin eine natürliche Festung bildenden Höhe des Massivs sicherte das oppidum der keltischen Treverer. Sein Umfang macht die Anlage auf dem Donnersberg zu einer der größten ihrer Art. Die mehrfach untergliederte Hochfläche wurde von den Erbauern mit Randmauern aus dem anstehenden Gestein in unterschiedlicher Bauweise bewehrt. Die Gesamtanlage besteht aus einem Hauptwerk mit einem Vorwerk und einer größeren Erweiterung.

 

Die Befestigung paßt sich weitgehend den morphologischen Gegebenheiten an, weiß aber auch in kühner Weise Geländeschwierigkeiten zu überwinden. Das Hauptwerk wurde auf den höhergelegenen Teilen des Ostplateaus errichtet, das durch den tiefen Graben der Königsdelle von dem niedrigeren und stärker gegliederten Westplateau geschieden wird. Der tiefer gelegene Rücken des Ostplateaus über der Nordflanke des Berges zwischen den Einschnitten von Eschdelle und Königsdelle wurde als nördliches Vorwerk befestigt. Die Umwehrung des westlichen Plateaus ist in ihrer nördlichen Hälfte verhältnismäßig schwach ausgebildet und wurde deshalb lange nicht erkannt. Die Mauerzüge, die die Steilhänge hinab schräg zu der Talsohle verlaufen, schlossen zwischen den einzelnen Werken die beiden tief reichenden Einschnitte in der Nordflanke des Massivs zugleich auch als Wasserreservoir in das Befestigungssystem ein. Dieses präsentiert sich damit als geschlossene Anlage von rechteckiger Form.

 

In geschickter Weise sind Felsenhorste in den Zug der Ringmauern, teils als Eckbastionen wie der Königstuhl, eingebunden. An Flachhängen ist der Ringmauer des Hauptwerkes ein Graben mit zwischengeschobener Berme vorgelegt. Ein doppelter Spitzgraben verstärkt die Wehrmauer des Werkes auf dem westlichen Plateau als Halsgraben gegen die nicht einbezogene westliche Gipfelhöhe der Kuppe.

 

Die noch eindeutig erkennbaren, mit eingezogenen Wangen versehenen Toranlagen bilden den Zugang zur Anlage von Norden und Süden. Das Hauptwerk besitzt vier solcher Tore, davon zwei in der Südfront, so daß die Festung mit drei Zugängen gegen den südlichen Halbkreis der umgebenden Landschaft und damit auch zum Erzrevier geöffnet ist. Neben dem Nordwesteck des Vorwerkes auf der Nordseite befindet sich eine stärker ausgebaute Toranlage mit vorgelegtem Zwinger, in welche die vermutliche Hauptzufahrt aus der Rheinebene auf dem "Steinenweg" einmündet.

 

Die Wälle besitzen eine Gesamtlänge von etwa 8200 in. Die umschlossene Gesamtfläche ist etwa 240 ha groß, wovon die Fläche des Hauptwerkes etwa 90 ha ausmacht. Die Wälle haben in den am stärksten ausgebildeten Teilen Sohlenbreiten bis zu 20 m und Höhen bis zu 6 m.

 

In der Nordostspitze des Hauptwerkes liegt ein niedriger bogenförmiger Wallzug mit vorgelegtem Graben von etwa 200 m Länge, der nach Art eines Abschnittswalles die Spitze des spornförmigen Rückens abriegelt. Der Kern besteht aus einer bis zu 3 in breiten Trockenmauer von geringer Höhe. Diese gesonderte Befestigung steht nicht im Zusammenhang mit dem Hauptwall. Sie könnte als Vorgängerburg der großen Anlage ein höheres Alter besitzen. Das Auftreten im Brand verschlackter Steine trug der Anlage den Namen" Schlackenwall ein. K. Bittel nimmt auf Grund seiner Ausgrabungen an, daß ein gerüstartiger Aufbau der Mauerkonstruktion aus Holz über dem Steinsockel bei einem Brand während eines Angriffes zur Verschlackung der Steinfüllung geführt habe. Auffällig ist eine den Rücken in etwa 250 in südlicher Entfernung in gebogenem Zug querende niedere Steinrossel, die ebenfalls verschlackte Steine aufweist. Die Form entspricht dem Zug einer etwaigen äußeren Abschnittsmauer dieser Sonderbefestigung.

 

Eine inmitten des Hauptwerkes gelegene rechteckige Wallanlage mit teilweise überhöhten, stark ausgeprägten Ecken und einem vorliegenden Graben in dem Größenverhältnis 80 x 100 m ist obertägig nicht vollständig erhalten. Diese sogenannte Viereckschanze gehört mutmaßlich in die Reihe derartiger keltischer Heiligtümer der Spätlatènezeit. Der Fund einer heute verschollenen römischen Weiheinschrift für Jupiter Optimus Maximus spricht ebenfalls für eine alte Kulttradition. Im Mittelalter stand im Süden oberhalb der Viereckschanze das an Stelle einer romanischen Kapelle 1370/71 errichtete kleine Kloster St. Jakob. Am Platze dieser später in ein Hofgut umgewandelten Anlage befindet sich die Gaststätte "Waldhaus". Steinwälle und ein Grenzgraben im Innern des Hauptwerkes der Festung kennzeichnen heute noch den eingefriedeten einstigen Bezirk.

 

Ein Steinwall von 550 m Länge zieht sich um den Südhang der nach Südosten vorgeschobenen Höhe "Am Signal" und wird in seinem weiteren Verlauf nach Nordwesten stetig niedriger und schmaler, so daß er auf dem Westhang der Kuppe nicht mehr beobachtet werden kann. Das Steinmaterial enthält ebenfalls verschlackte Steine. Ein Zusammenhang mit dem oppidum ist nicht erkennbar, dafür besteht die Möglichkeit, darin eine ältere Anlage zu sehen. Unser Interesse darf auch der im Volk altbekannte Monolith "Hinkelstein" von rund 1,50 m Länge beanspruchen, der im "Bärenloch" am Osthang des Massivs liegt.

 

Ausgrabungen fanden 1924 durch F. Sprater, 1930 durch K. Bittel mit F. Sprater und E. Sprockhoff, 1955/1956 durch Kw. Kaiser und 1961 durch H. J. Engels statt. Untersuchungen an den Wallanlagen des Vorwerkes Nord wiesen die altheimische Bauweise, die Verwendung von Trägerpfosten mit Querbalken als Stützwerk für die etwa 6 in breiten Mauerkörper nach. Freilegungen an der Nordfront des Hauptwerkes erbrachten in dem rund 7 m breiten Mauerkörper den Nachweis eines mit Eisennägeln zusammengefügten Holzgerüstes, also der Technik des murus-gallicus. Keramikscherben aus den Mauerkörpern spredien für die Errichtung dieser Anlagen im Spätlatène. Es ist anzunehmen, daß der Bau der Spätlatènefestung in der Reihenfolge Hauptwerk, Vorwerk Nord, Umwehrung des Westplateaus voranschritt. Siedlungsfunde vorwiegend der Spätlatènezeit, die als Lesefunde und beim Anlegen von Gräben zutage kamen, weisen eine ausgedehnte Besiedlung im Innern des Hauptwerkes nach. Keramik, Geräte, Schmuck, Münzen, Waffen, Mahlsteine und Eisenschlacken sprechen dabei für eine feste Besiedlung im letzten vorchristlichen Jahrhundert. Sie dauerte bis in die frühe römische Kalserzeit, wie ein Gräberfeld beweist. In jedem Fall verdient der Ostteil der Festung die Bezeichnung oppidum.

 

Es folgte eine erneute Benutzung der nun zerstörten Anlage im 2./3. h. n. Chr., mit der vielleicht die erwähnte Weihinschrift in Zusammenhang steht. Streufunde der spätrömischen Zeit deuten darauf hin, daß die umwohnende Bevölkerung in diesen unruhigen Zeiten wieder Schutz in der alten, längst zerfallenen Festung suchte. Den Bogen zum Mittelalter spannt außer der Kulttradition auch die Sage auf andere Weise, wonach fränkische Könige auf dem Königstuhl Recht sprachen und der König Chun im Bereich des Schlackenwalles sein Schloß hatte.

 

Außer einer kleinen Reihe von neolithischen Steinbeilen stammen aus dem Hauptwerk der Burg einige weitgestreute Keramikfunde der Urnenfelderzeit/Hallstattzeit, die für eine Ansiedlung auf dem Hochplateau in dieser Zeitspanne sprechen. Der Bereich "Am Signal" lieferte einen bootförmigen Mahlstein . Diese Materialien bilden einen weiteren wichtigen Beitrag zur Besiedlungsgeschichte des Berges und machen ebenfalls wahrscheinlich, daß nicht nur mit einer Befestigungsphase gerechnet werden darf. Sie lenken wiederum das Augenmerk auf mutmaßliche Vorgängerburgen der Spätlatènefestung, insbesondere auf den Schlackenwall, dessen Untersuchung durch K. Bittel keine datierenden Funde geliefert hatte.

 

Kw. Kaiser

 

Lit.: K. Schumacher, Mainzer Zeitschr. 5, 1910, 8 ff. - F. Sprater, Pfälzisches Museum (1924) 2 ff. - K. Bittel, Germania, 14, 1930, 206 ff. und Festschrift RGZM 11 (1952); Fundberichte a. d. Pfalz, MHV Pfalz 51, 1953, 87 und 55; 1957, 23, 43, 79 f; 65, 1967, Nr. 149; 66, 1968 Nr. 176, Nr. 259 (Kw. Kaiser). - H. J. Engels, Pfälzer Heimat 1961, 41 f. - E. Christmann, Abh. z. Saarpfälz. Lds.- u. Volksfschg. 1, 1937, 5 ff. - K. Schwarz, Zum Stand der Ausgrabungen in der spätkeltischen Viereckschanze Holzhausen, in: Jahresber. d. Bayer. Bodendenkmalpflege 1962, 22 ff. - Karte: Ringwälle auf dem Donnersberg 1:5000. Hrsg. Landesvermessungsamt Rheinland-Pfalz (1966), Archäolog. Redaktion Kw. Kaiser

 

 

Das Buch zum Bericht

 

Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern

Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern
Südliches Rheinhessen – Nördliche Vorderpfalz
Worms – Kirchheim-Bolanden – Donnersberg
Eisenberg

Erschienen im Philipp von Zabern Verlag Mainz, 1969;
herausgegeben vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz.

Dieses Werk ist leider nur noch über Bibliotheken und Antiquariate erhältlich. Neuere Literatur zu diesem Thema finden Sie beim Verlag Philipp von Zabern.

Pfalz Migration

Pfalz Volkskunde