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Ruhesteine und Napoleonsbänke

Wissembourg-Weiler, die westliche BankAn vielen Stellen in der Pfalz, in Hessen, in Baden Württemberg und im Elsass findet man immer wieder die etwas in die Jahre gekommenen Bänke aus Sandstein. Sie stehen an Straßen oder Wegen, an ehemaligen Postrouten, auf Passhöhen, an Bächen, an Seen, auf Lichtungen, unter Bäumen, an Hochkreuzen, usw. ... Dabei handelt es sich um ein „Sitz- und Abstellmöbel“, gemacht um eine Last, welche auf dem Kopf oder Rücken getragen wurde auf den höher gebauten Flächen (Sturz oder verbreitertes Kapitell) abzulegen und die Sitzbank daneben, oder darunter, um auszuruhen.


Meistens waren es Frauen (z.B. Marktfrauen, Bäuerinnen, Mägde, usw. ...) die auf ihrem Kopf in Körben Brennholz, Feldfrüchte, Butter, Heu, Mist, usw. ... trugen und damit größere Strecken zurücklegten. Dabei waren die zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert aufgestellten Ruhebänke gerne genutzte Rastmöglichkeiten. Im Volksmund heißen sie Napoleonsbänke, Butterbänke, Ruhesteine oder Postbänke.

 

Ortseingang von Schweighofen (Bank von 1811)Vom Aussehen ähneln sie sich alle mehr oder weniger. Es gibt aber Unterschiede in der Bauweise und der Bauart. So bestehen die einfachen Postbänke aus einer Sitzfläche und zwei seitlich angebrachten Wangen (sie dienen nur zum Ausruhen), während andere eine Steinbank zum Sitzen und daneben eine höhere Steinbank für die Lasten abzulegen haben, wieder andere bestehen aus zwei Steinsäulen mit verbreitertem Kapitell für die Lasten abzulegen und dazwischen einen querverlaufenden Sandsteinblock zum Sitzen. Die einzelnen Sandsteinelemente wurden unterschiedlich zusammengefügt. So sind die querverlaufenden Sandsteinplatten der senkrechtstehenden Wangen, auf einem Pfostenfuß oder einem separaten Stein, aufliegend, oder befinden sich in einer Nut oder stecken in einem Zapfen. Zusätzlich gibt es auch manchmal noch Metallbände welche die einzelnen Platten untereinander halten.

 

Napoleonsbänke

 

Kapsweyer (Nachbildung 2000)Die Bänke, welche nach Napoleon Bonaparte (*15.08.1769 - }†05.05.1821) benannt worden sind, unterscheiden sich etwas von den Ruhesteinen, dienen aber demselben Zweck: das bequeme Ablegen der Kopflast und dem Sitzen. Sie ähneln, vom Aussehen her, ungefähr dem Buchstaben „A“: rechts und links zwei Sandsteinsäulen, darauf ein querliegender Sandsteinblock (Sturz) welcher zum Abstellen der Lasten diente, und einen querliegender Sandsteinblock zum Sitzen. Nach den französischen Revolutionskriegen (1792 - 1802), reichten die Grenzen Frankreichs bis an den Rhein. Im Jahre 1811 wurden auf Geheiß des Präfekten Adrien Lezay-Marnesia diese Ruhebänke in seinem Departement Bas-Rhin  anlässlich der Geburt Napoleon Franz Bonaparte (*20.03.1811 -­ †22.06.1832) aufgestellt. Auf dem Sturz wurde die Inschrift „A LA Naissance Du Roi De Rom“ – errichtet zur Geburt des Königs von Rom, eingemeißelt. Aber auch Säulen (in Steinweiler), Tränksteine und Brunnen, sowie Sträucher, Obstbäume, Eichen- und Lindenbäume wurden in Ortschaften oder Gemeindewäldern zu Ehren des „Königs von Rom“ aufgestellt / gepflanzt.

 

Hunspach im Elsass, seit 1986 neben dem Musee de la Ligne Maginot bei SchœnenbourgIm Jahre 1853 wurden wieder Napoleonsbänke im Department Bas-Rhin aufgestellt. Diesmal auf Anweisung des Präfekten Auguste Cesar West. Grund war die Hochzeit von Napoleon III. (*20.04.1808 - †09.01.1873) mit Eugénie de Montijo (*05.05.1826 - †11.07.1920). Auf dem Querliegenden Sturz wurde das Aufstellungsjahr eingemeißelt. In den folgenden Jahren wurden immer wieder neue Napoleonsbänke aufgestellt. 1855, 1859 und 1860, weil Frankreich in Kriegen siegreich war und 1856 weil Loulou der „kleine Prinz“ geboren wurde.

 

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden Ruhebänke aus Holz aufgestellt, da diese kostengünstiger und bequemer sind als Sandsteinbänke.  Viele der alten Ruhebänke sind den beiden Weltkriegen oder dem Lauf der Zeit zum Opfer gefallen. Die überbliebenen Bänke sind heute Kulturdenkmäler, welche gepflegt und liebevoll restauriert werden.

 

Weitere Informationen über die Ruhesteine / Napoleonsbänke auf der Internetseite: http://www.wild-annweiler.homepage.t-online.de/ oder in den Büchlein von Rudolf Wild:

„Vom Ruhestein zur Napoleonsbank – Volkskundliche Beiträge zur Kulturgeschichte der Pfalz – Heft 1 – ISBN Nr. 3-924115-19-2"

 

„Mit offenen Augen... – Kleindenkmale an der Südlichen Weinstraße“

Verlag für Burgenkunde und Pfalzforschung, Rolf Übel, Landau

ISBN-Nr. 3-929893-17-7

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