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Der Hohenbergturm

{gallery}rudolf_wild/hohenbergturm_01.jpg{/gallery}Vor langer Zeit - man schrieb den Juli des Jahres 1879 - stellten die Verschönerungsvereine Annweiler und Landau den Antrag, auf dem Hohenberg bei Birkweiler eine acht Meter hohe kegelförmige Pyramide zu bauen, um den Besuchern ein freie Aussicht in die Rheinebene zu ermöglichen. Die Arbeiten müssen zügig voran gegangen sein, denn schon am 16. Oktober 1879 meldete der Landauer Anzeiger die Fertigstellung des Turmes. Die beiden Vereine sind längst in Vergessenheit geraten, nicht einmal ihr Schriftgut ist archiviert worden. Geblieben ist (oder war) ein Bauwerk, das ganz anders ist als all die anderen Aussichtstürme des Pfälzerwaldes. Sein Grundriss bildete ein lang gezogenes Oval, und über die spitz zulaufende Westseite führte eine Treppenrampe zur kleinen Aussichtsplattform. Längst waren jedoch die Bäume rundherum so hoch gewachsen, dass von der schönen Aussicht nicht viel übrig geblieben ist.


Dafür begannen sich bereits Legenden über die Entstehungsgeschichte des Turmes zu bilden. Schließlich ist nicht überliefert, was der Grund dafür war, dass der Turm in einer so einmaligen Bauweise errichtet wurde. War es einfach nur Sparsamkeit, dass man den Turm in Trockenbauweise ohne Mörtel errichtete? Oder hatte man mit dem sorgfältig gesetzten Mauerwerk einfach nur einen Steinhaufen verkleidet, der von einem älteren Bauwerk übrig geblieben war? Wir können darüber nur spekulieren. - Doch wenn es so wäre, würde es die Legende erklären, dass hier einmal ein französischer Telegraphenturm gestanden hat. Solche Türme waren zur Zeit Napoleons errichtet worden, um militärische Nachrichten auf schnellstem Wege zu übermitteln. Nach einem 1793 von Claude Cappe entwickelten System konnte durch Stellung der an der Turmspitze angebrachten abwinkelbaren Flügel ein Buchstaben-Code von Station zu Station weitergegeben werden. Etwa alle 7 km war eine Station erforderlich, und mit der für die damalige Zeit sagenhaften Geschwindigkeit von nur sechs Minuten konnte ein Buchstabe eines „Fernschreibens" von Straßburg nach Paris übermittelt werden. Der Nachteil, dass die Türme und ihre Signale von jedermann sichtbar waren, wurde dadurch ausgeglichen, dass man die Nachrichten verschlüsselte. Als letzte Erinnerung an dieses Telegraphen-System kann südlich der Burg Haut Barre bei Saverne im Elsass eine rekonstruierte Station besichtigt werden.Eine solche Telegraphenlinie hat damals auch die Festung Landau mit der französischen Hauptstadt verbunden - und eine der Stationen stand auf dem Hohenberg. Dr. Hans Blinn stellt sich das so vor:

„Auf dem Hohenberg ließ um 1800 der kleine Korse Napoleon einen Dillegraphen installieren: Das war eine Relaisstation der Telegraphenverbindung Paris - Straßburg - Mainz. Wohl so etwas wie SAT 1, nur mit weniger Bildstörungen und preiswerter als Telekom!" [i] - So und ähnlich steht in den Überlieferungen.

Doch wie sah es wirklich aus? Anders als die moderne Technik funktionierte die optische Telegraphie nur tagsüber und bei schönem Wetter. Und Prof. Winfried Lang [ii] von der Berufsakademie Mannheim hat inzwischen nachgewiesen, dass eine Telegraphenlinie über den Hohenberg zwar geplant aber aus Geldmangel nie verwirklicht worden war.

Doch was war dann der Ursprung des Hohenbergturmes? Immerhin könnte dort ein Vermessungsturm gestanden haben, der möglicherweise schon von den Franzosen errichtet wurde, als die Pfalz unter militärischen Gesichtspunkten erstmalig vermessen wurde. Auch die nach 1816 einsetzende bayrische Landesvermessung arbeitete im Wald mit solchen Türmen, die die Bäume überragten. Und da diese Türme nicht nur zur Aufstellung von Messinstrumenten dienten, sondern auch so gekennzeichnet waren, dass sie aus großer Entfernung gut sichtbar waren, nannte man sie „Signal". Möglich ist, dass die Kenntnis dieses Begriffes dazu beigetragen hat, dass man hier eine alte Telegraphenstation vermutete. Im Laufe der Zeit nagte jedoch der Zahn derselben auch am Hohenbergturm und die Trockenbauweise hat sich offensichtlich nicht bewährt. Schon 1905 berichtet der Landauer Anzeiger, dass Reparaturen notwendig waren. Dabei wird betont, dass die Treppe jetzt von jedermann bequem zu begehen ist. Möglicherweise wurde damals die Form des Turmes verändert und die Treppenrampe angebaut, denn von einer kegelförmigen Gestalt kann heute eigentlich nicht mehr gesprochen werden. - Vielleicht lag die Betonung aber auch darauf, dass auch Leute mit Höhenangst den Turm besteigen konnten, nachdem ein Geländer angebracht war. Immerhin wurde die Maßnahme in völlig unbürokratischer Weise durch den Pfälzerwaldverein Landau durchgeführt. Und schon damals mussten Bäume gefällt werden, damit eine schöne Aussicht gewährleistet ist.Bereits 1934 wird im Annweiler Tageblatt von neuen Schäden berichtet, und die Reparatur wurde immer wieder hinausgeschoben. 1935 war es dann endlich gelungen, die Reparatur des Treppengeländers mit einem Aufwand von 80 Reichsmark durchzuführen und vor allem auch zu finanzieren. In den 1960er Jahren wird gemeldet, dass am Turm einige Steine ausgebrochen waren. Doch mit der Reparatur ließ man sich Zeit, bis im Jahre 1970 die Ostseite des Turmes bis zur Plattform eingestürzt war. Bei dieser Maßnahme wurde der Unterstellraum zugemauert und als Ersatz eine Blockhütte weiter unterhalb geschaffen. Pünktlich zu Weihnachten konnte am 23. Dezember 1971 die „Neueinweihung" gefeiert werden. Die Reparatur kostete damals 23.000 D-Mark, wobei auch für den Ausbau des Waldweges zum Turm ein erheblicher Aufwand erforderlich war.

{gallery}rudolf_wild/hohenbergturm_02.jpg{/gallery}Danach wurde es wieder still um den Turm, bis im Mai 2002 bei den Bürgermeisterämtern Annweiler und Birkweiler die Meldung einging, dass das Geländer an der Treppe gefährlich wackelt. Der Bürgermeister von Birkweiler wandte sich gleich an die Institution, die in dringenden Fällen bei „Not am Mann" allzeit bereit ist - die Freiwillige Feuerwehr. Die wollte das auch gerne übernehmen, aber zunächst sollte doch sichergestellt sein, dass sich auch die Stadt Annweiler an den Kosten beteiligt. Doch der damalige Bürgermeister von Annweiler versuchte, die Sache einfach auszusitzen. Also geschah erst einmal gar nichts - außer dass der Zugang zum Turm aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde. Erst mit der Neuwahl des Bürgermeisters kam Bewegung in die Sache, und die Baumaßnahmen sollten endlich in die Wege geleitet werden. Mit dabei war auch die Gemeinde Siebeldingen, die Bereitschaft zeigte, sich an den Kosten zu beteiligen, obwohl der Turm etwas außerhalb der Gemarkung steht. Doch bei der näheren Untersuchung des Turmes wurde festgestellt, dass sich auf der Nordseite eine Ausbeulung gebildet hatte, die auszubrechen drohte. Es wurde erwogen, den Turm komplett abzutragen, mit einem Betonkern zu versehen und diesen dann mit den alten Steinen zu verkleiden. Hierfür fehlten jedoch die finanziellen Mittel und als einzige Maßnahme wurde am Bauzaun eine Informationstafel angebracht....

Die Zeit verging, und im Oktober 2007 stürzte schließlich ein Teil des Turmes ein, wobei fünf Treppenstufen mitgerissen wurden. Die Stufe oberhalb des Abbruchs wurde nur durch das morsche Geländer gehalten. Im April 2008 wurde auf Initiative der Gemeinde Birkweiler die Treppe abgetragen, und man will versuchen, den Turm in seiner alten Gestalt zu erhalten.


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[i] Hans Blinn: Von Schweigen bis ins Zellertal - ein nicht bierernst zu nehmender Weinstraßen-Baedeker. Landau 1997.

 

[ii] Winfried Lang: Der Optische Telegraph im Pfälzerwald - Ein kollektiver Irrtum. in: Nachr.Verm.Verw. RP 3/20, S. 137-151.

 


Quellen und weiterführende Literatur:

 
Textauszug aus: Dr. Martin Armgart u.a.: Queichhambach. Ein Dorf und seine Geschichte. Annweiler 2008
Diese Ortschronik ist zum Preis von € 18,- erhältlich. - Verkaufsstellen (u.a.):
Gasthaus zum Fronhof, Queichhambach • Museum Unterm Trifels, Annweiler • Büro für Tourismus, Annweiler.


Weitere Infos zum Hohenbergturm:
http://www.wild-annweiler.homepage.t-online.de/museum/hohberg.htm

Weitere Veröffentlichungen von Rudolf Wild:
http://www.wild-annweiler.homepage.t-online.de/museum/biblio.htm

Mit offenen Augen ... Kleindenkmale an der Südlichen Weinstraße. (2004)
http://www.pfaelzer-buchkunst.de/hauptnav.html

Die Bindersbacher Gemarkung (2006)
http://www.wild-annweiler.homepage.t-online.de/museum/grenze06.htm

Rätselhafte alte Steinkreuze (2007)
http://www.wild-annweiler.homepage.t-online.de/region/texte/kreuze07.htm

Zu Ehren Napoleons II. (2007)
http://www.wild-annweiler.homepage.t-online.de/napoleon/pfalz07.htm

Der Ursprung der Napoleonsbänke (2009)
http://www.suehnekreuz.de/RB/aufsaetze14.html

 

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