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Die Wildfrau von Kusel

Attila, der Hunnenkönig, musste nach der verlorenen Schlacht auf den Katalaunischen Feldern im Jahr 451 wieder über den Rhein zurück. Überall hinterließ er mit seinem kriegerischen Heer eine wüste Spur. In einer Höhle auf der Steinalb, zwischen Kusel und Ratsweiler, blieb damals ein Hunnenweib von ungewöhnlicher Größe und schrecklicher Wildheit zurück; im Westrich auch die "Wildfrau" genannt.

Ein gezackter, krummer Hunnendolch und eine eichene Keule waren ihre Waffen. Wenn sie Menschen sah, fletschte sie ihr furchtbares Gebiss und ihre schwarzen, glühenden Augen machten auch dem mutigsten Manne Angst. Langes schwarzes Haar und rohe Fellumhänge erhöhten noch ihr wildes Aussehen. Beeren, Wurzeln, Kräuter und das rohe Fleisch erlegter Rehe, das sie an den Steinen mürbe klopfte, waren ihre Nahrung. Nachts streifte sie durch die Dörfer am Glan, stieg durch die Kamine in die Häuser und raubte was nicht Niet und Nagelfest war. Wurde sie ertappt, stieß sie einen fürchterlichen Schrei aus: "Ho, Ho, die Wildfrau is  do!"


Man schrieb ihr sämtliche Unglücksfälle zu: Kam ein Weidetier von der Herde ab und wurde von den Wölfen gerissen, oder raubten diese Bestien ein Kind, so war die Wildfrau die Räuberin und Menschenfresserin. Sie hauste in der Wildfrauenhöhle. Doch selbst wenn sich alle Männer zusammen getan hätten, wäre es nicht möglich gewesen, sie zu überrumpeln, denn sie verschloss ihre Höhle mit einem riesigen Stein, den auch vereinte Kräfte nicht wegrollen konnten. Noch heute sollen in Kusel manche Männer glauben, dass ihre Frauen von dieser Wildfrau abstammen.

 

In der Sage der Wildfrau von Kusel verbergen sich Reststücke und Erinnerungen an vorgeschichtliche, germanische, keltische und römische Zeiten. Der Glaube an eine  "Wilde Frau", wie wir sie aus vielen Märchen und Sagen kennen, ist oftmals sehr einseitig. Taucht sie als Schreckgestalt auf wie hier in Kusel, ist sie meist hässlich und böse; sie kann aber auch schön und verführerisch sein. Ursprünglich war die "wilde Frau" eine Priesterin der großen Muttergöttin. Ihr Verhalten ist meist ambivalent, oft heilend und helfend, dann wieder böse und hinterhältig. Der Glaube an Frauen die Zauberkräfte besitzen, kehrt in vielen Sagen und Märchen immer wieder. Meist treiben sie ihr Unwesen bei Brunnen, Felsen oder Bäumen.
Schon in den Beschlüssen des Konzils von Ancyra in der Mitte des fünften Jahrhunderts wird von "Weibern" gesprochen, "welche sich einbilden des nachts wie Diana und Herodies auf allerlei Tieren in der Luft umherzureiten." Sie betreiben dämonische Zauberein und verwandeln sich gerne in Katzen, Raben oder Eulen (Vgl. das Waldgrehweilerer Märchen: Die überführte Hexe).

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