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Der gespenstische Waldmann vom Drachenfels

Aufgeregt und voller Entsetzen begab sich einst, bei einsetzender Dämmerung, ein Wandersmann vom Drachenfels in das Dorf  Busenberg. Im Ort angekommen, berichtete er von einem gespenstischen Waldmann, den er des Weges getroffen hatte. „Ein Waldmann?“ erwiderte ein alter Dorfbewohner, der den schreckhaften Wanderer begutachtete. „Du scheinst nicht von hier zu sein. Ich möchte Dir erzählen, was einst geschah und auch, was das Schicksal Dir bringen wird.“



Der alte Mann schaute den Wanderer mit großem Mitleid an und begann zu erzählen. „Die Burg am Drachenfelsen erstrahlte, als ich noch ein Kind war, voller stolz und Herrlichkeit. Hier lebte ein Graf mit seiner schönen Tochter Adelheid. Ein höfischer Schreiber buhlte um das hübsche Mädchen. Adelheid wurde heimlich mit Briefen überhäuft. Der Graf kam jedoch bald dem Verehrer auf die Schliche und verbannte diesen von Burg und Land.

Doch der hartnäckige Buhler ließ nicht von dem schönen Mädchen ab. Tag und Nacht streifte er heimlich voller Schmerz  um die Burg. Eines Abends erhielt Adelheid einen weiteren Brief. Nachts solle sie sich aus dem Anwesen schleichen. Im Wald, unter einem Kastanienbaum, sei ein Hochzeitsbett aufgestellt. Getrennt zu Leben bringe keinen Sinn, nur der gemeinsame Tod sei die Erlösung! Tatsächlich begab sich Adelheid in jener Nacht in den Wald. Keiner weiß, warum sie so handelte. Aus Liebeskummer? Selbst den Tod begehrend? Die Nacht verbarg dieses Geheimnis.

Das schöne Mädchen fand schließlich durch einen Dolchstoß ihren Tod. Als der Mörder Adelheid beim Sterben in den Armen hielt, überströmten ihn die Todesängste. Der Plan  sich selbst auch das Leben zu nehmen, war sobald verworfen. Feige flüchtete er in den tiefen Wald.

Der Graf trauerte um seine Tochter sehr. Nur wenige Tage nachdem er das Grab seines geliebten Kindes bestellte, starb auch er. Der Waldmann taucht dagegen noch heute in den Wäldern auf. Immer wenn der Sturm erbraust, soll er sich gespenstisch bei dem Kastanienbaum zeigen. Verderben bringt sein ferner Gruß, da jeder den er anhaucht sterben muss!“

 


Nach Alexander Schöppner, Sagenbuch der bayrischen Lande, 1852

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