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| Der Reithaken – ein vergessenes Küferwerkzeug |
| Autor: Rudolf Wild, Annweiler |
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Der Reithaken besteht aus einer rechteckigen Eisenstange, die in einer Krümme endet und einem darauf sitzenden beweglichen Läufer (= „Reiter“?). Diese Haken sind heute bei den Küfern weitgehend in Vergessenheit geraten und auch der Name „Reithaken“ ist kaum bekannt. (Reinhard Wolf aus Marbach weist darauf hin, dass zwei vor Jahren verstorbene Küfer den Begriff "Hebetse" verwendeten, der mit "Heben" =schwäbisch für Halten verwandt ist.) Dabei war dies ein unentbehrliches Werkzeug, das bei der Herstellung von Fässern vermutlich für mehrere Arbeitsvorgänge verwendet wurde. Azzola beschreibt den Reithaken als Gerät zum Ausrichten eines Fasses. Diese Funktion ist im Weinbaumuseum Oppenheim modellhaft nachgestellt und wurde durch ein Foto mit extremem Weitwinkel-Objektiv belegt.[2] Die von mir befragten Küfer kannten diese Anwendung nicht, hierfür wird heute anscheinend ein besonderer „Zughaken“ verwendet, der anstelle des Reithakens in die Eisenkette eingehängt wird. Hinzu kommt, dass nach seiner Beschreibung beim Zusammenbau des Fasses die erste Daube mit einer Schraubzwinge am „Setzreifen“ befestigt wird. Zu der Zeit, als der Reithaken verwendet wurde, dürfte es allerdings noch keine Schraubzwingen gegeben haben, so dass hier der Reithaken in einer weiteren Form zur Anwendung gekommen sein könnte. Der Haken eignet sich nämlich auch als Spannvorrichtung, und wenn man den Läufer ganz nach vorn schiebt, kann man (theoretisch) die Daube am Reifen fixieren. Durch einen leichten Hammerschlag auf den Läufer lässt sich dabei der Klemmvorgang festigen oder wieder lockern. In dieser Form könnte der Reithaken bei den Küfern als Vorläufer der Schraub- oder Leimzwingen gedient haben.
Recht gut ist eine Beschreibung des Handwerkszeichens aus dem Elsass:[7] … zwei spezielle Werkzeuge der Küfer. Man erkennt den gekrümmten Holzhammer und über Kreuz zwei Eisenklammern, eine Art von Zwingen mit verschiebbarem Stück, das man zur Montage der Dauben verwendete. Diese Anordnung der Handwerkszeichen in einem Wappenstein hat sich im Lauf der Zeit praktisch nicht verändert.
Leider gibt es heute kaum noch alte Küfer, die man befragen kann und so bin fast so schlau wie vorher. Es wäre daher sicher interessant, welche Vorstellungen und Erinnerungen die Küfer anderer Regionen mit dem „Reithaken“ verbinden. [1] PfWB 1987-1993, Bd. V, Sp. 498: Gerät des Küfers zum Auseinanderhalten und zum Zusammenziehen der Faßdauben beim Abdichten mit Liesch', ... [2] Azzola, Friedrich Karl / Hartmann, Ludwig: Der Reithaken: zur Funktion und Ikonographie eines historischen Küferwerkzeugs. Oppenheimer Hefte Band 17, 1998 Seite 57-62 [3] Fougeroux von Bandaroy, Schauplatz der Künste und Handwerke …, hg.: Joh. Heinr. G. von Justi. o.O., 1765, „Die Böttgerkunst“; Abbildung im Freilichtmuseum Bad Sobernheim, Kelterhaus Bruttig. [4] Durch die Pfalz. Ein Heimatbuch von Karl Fries – 2. Band 1926, S. 74 / Foto von Barth, © Stadtarchiv Speyer. [5] Vgl. Friedrich Karl Azzola und Ludwig Hartmann: Die Reifenzange – ihre Funktion und Handhabe. in: Der Odenwald. H. 3 / 2009, S. 119 [7] Claude Jérôme Les emblèmes de métiers conservés à Saverne. Pays d'Alsace No 212 III 2005, 17-20. |