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Das Rad der Müller
Autor: Rudolf Wild, Annweiler   

Das Hauszeichen am Haus Hauptstraße 50 in Landau-GodramsteinDas bekannteste Symbol der Müller ist ein meist vierspeichiges Rad, dessen äußerer Rand – im Gegensatz zum Wagnerzeichen und dem „Mainzer Rad“ – mit kleinen Quadraten besetzt ist. Nicht immer lässt sich mit Sicherheit sagen, ob dabei das eindrucksvollste Erkennungszeichen einer Mühle – das durch Wasserkraft betriebene Mühlrad – dargestellt werden sollte. Es kann auch ein hölzernes Kammrad darstellen, wie es in den Mühlen als Zahnrad verwendet wurde.[1] Die Zähne waren aus Holz und konnten bei Verschleiß einzeln ersetzt werden.

Besonders schön zu erkennen ist es auf dem ältesten und zugleich rätselhaftesten Müllerzeichen unserer Region, die am Haus Nr. 50 der Godramsteiner Hauptstraße angebracht ist. Dieser 1556 datierte Stein enthält als weiteres Symbol ein Beil, das in der Literatur als Metzgerzeichen gedeutet wurde.[1] Doch die Form des Beils erinnert eher an das Breitbeil der Zimmerleute, das zum Behauen der Balken verwendet wurde. Und ursprünglich mussten die Müller in der Lage sein, alle Arbeiten an der Mühle selbst auszuführen – das Berufsbild des Mühlenbauers oder Mühlarztes entstand erst viel später.

 

In einem Ökonomischen Wörterbuch des 17.Jh. lesen wir: Die Müller führten ehedem Müller-Äxte, sie dienten ihnen ehemals zu ihrem Reisegewehr, und sie gingen immer damit; ihr Mutwillen aber hat dazu geführt, dass ihnen solches verboten worden ist. – Tatsächlich benötigten die Müller für die unterschiedlichsten Wartungs- und Erweiterungsarbeiten an Wind- und Wassermühlen Äxte und Beile in verschiedenen Ausführungen. Der „Mutwillen“ bezeichnet hier den Missbrauch des Werkzeugs als Waffe bei Streitereien und Auseinandersetzungen.[2]

 

Besonders schön zu erkennen ist das Zeichen des Kammrades am Haus Klingbachstraße 19 in Heuchelheim-Klingen. In Hainfeld findet sich zwei Mühlenzeichen mit sechsspeichigem Rad an den Häusern Weinstraße 39 und 45. An letzterem ist die Funktion als Zahnrad durch Punkte auf dem äußeren Rand angedeutet. Gelegentlich wird das Rad von zwei Löwen gehalten, wie z.B. an der ehemaligen Neumühle in Landau. Wahrscheinlich sollte damit ein besonderes Privileg zum Ausdruck gebracht werden.

 

In Maikammer ist das Zeichen eines Müllers auf dem Grabkreuz des 1694 verstorbenen Johannes Rech dargestellt. Es befindet sich heute auf der Südseite der Kirchenfassade.

 

Gelegentlich findet sich das Mühlensymbol auch als halbes Mühlrad. So enthält das Ortswappen von Mühlhofen ein halbes Mühlrad. Das Wappen entspricht dem seit 1691 belegten Gerichtssiegel und verbindet die Kurpfälzischen Embleme Löwe und Rauten mit dem redenden Symbol eines Mühlrades.[3]

 

Ein weiteres Symbol der Müller ist die Haue, die in der Regel zusammen mit dem Rad dargestellt wird. Die „Haue“ ist die Aussparung auf der Unterseite des Läufersteins, die zur Aufnahme eines entsprechend geformten Mühleisens diente und die Funktion eines Mitnehmers hatte. Besonders schön ist dieses Zeichen auf einem Schlussstein an der Burrweiler Mühle dargestellt. Bei dem gemalten Hauszeichen Untere Hauptstraße 122 in Herxheim sind neben dem halben Mühlrad zwei Werkzeuge dargestellt, die als Bille gedeutet werden können.[4] Das Wort ist sprachverwandt mit „Beil“, die Bille oder Mühlpille war ein Schlagwerkzeug, das zum Schärfen der Mühlsteine verwendet wurde.

 

Obwohl ich noch längst nicht alle Mühlen des Landkreises aufgesucht habe, konnte ich im Bereich der südlichen Weinstraße in 18 Ortschaften ca. 30 Müllerzeichen nachweisen. Allerdings sind einige nicht öffentlich zugänglich. Und nicht alle Gebäude, die ein Mühlenzeichen tragen, lassen sich einer Wassermühle zuordnen. Doch es war ja auch üblich gewesen, Arbeitsgeräte durch ein mit Pferden oder Ochsen bewegtes Göpelwerk anzutreiben. Und es ist nicht auszuschließen, dass Familien mit dem Namen „Müller“ ein dem entsprechenden Hauszeichen verwendet haben.

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[Foto 1628, 12.9.2010 (folgt)]

Grabkreuz eines Müllers an der Südfassade der kath. Kirche in Maikammer.

[Foto c478,15 (folgt)]

Das Zeichen von 1823 stammt von der Burrweiler Mühle, mit halbem Mühlrad und der Haue - hier allerdings ohne Loch in der Mitte dargestellt.



[1] Vgl. Heinz Reitz: Müllerzeichen im Odenwald. In: Zu Kultur und Geschichte des Odenwaldes. Breuberg-Neustadt 1976, S. 80.

[1] Anton Eckardt: Die Kunstdenkmäler der Pfalz, Bd. 2, München 1928 / 1974, S. 177, Haus Nr. 21

[3] Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz, Neustadt a.d.W. 1988

[4] Abbildung bei Hermann Arnold: Torbogenschlußsteine und Bauinschriften im Landauer Gebiet. Eine Bestandsaufnahme. Landau 1994.

 
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