Herrscherverehrung vor 100 Jahren

Herrscherverehrung vor 100 Jahren

Rudolf Wild – Gedenktafel beim Eisenwerk Hochstein im DonnersbergkreisVor 100 Jahren wurde mit großer Feierlichkeit der 90. Geburtstag seiner Königlichen Hoheit des Prinzregenten Luitpold von Bayern begangen. Luitpold galt als „kunstsinnig“ und volksnah, so dass er bei seinen Untertanen in hohem Ansehen stand. Er war am 12.3.1821 als zweiter Sohn von König Ludwig I. geboren worden und somit nicht für die Thronfolge vorgesehen. Am 10.6.1886 übernahm er die Regentschaft, nachdem Ludwig II. abgesetzt worden war und führte sie nach dessen Tod weiter, da Thronfolger Otto geisteskrank war.


Zahlreiche pfälzische Gemeinden, die sich gern an den Besuch des Prinzregenten erinnerten, nahmen seinen 90. Geburtstag zum Anlass, ihn in Form von Gedenksteinen oder ähnlichem zu verehren, und bereits zu seinem 70. und 80. Geburtstag war er in gleicher Weise geehrt worden – hier ein paar Beispiele:

 

Bei Annweiler erinnert nur noch eine in einen Felsen unterhalb der Schlossäcker gemeißelte rechteckige Aussparung und die zum 70. Geburtstag 1891 angebrachte Eisentafel, von der nicht einmal ein Foto überliefert ist. Die Tafel wurde nach dem 1. Weltkrieg von Unbekannten entfernt, 1937 in der Nähe wieder aufgefunden, doch in den Wirren des 2. Weltkrieges wurde sie vermutlich verschrottet.

 

Bei Edenkoben hat sich am Weinlehrpfad in der Villenstraße eine Felsplatte aus dem 1891 mit der Inschrift „Luitpoldruhe“ erhalten, und nicht weit davon steht ein Denkmal, das ihm zu Ehren im Jahr 1901 von der „Pfälzischen Kampfgenossenschaft“ errichtet wurde.

 

Bei Eschbach wurde anlässlich des Besuches von Prinzregent Luitpold 1889 ein Fahrweg zur Madenburg angelegt. In den folgenden Jahren besuchten die Prinzen des Wittelsbacher Hauses öfter die Madenburg, wobei sie diesen Weg benutzten. So hat sich der Name Prinzenweg eingebürgert, und 1911 wurde hier ein entsprechender „Ritterstein“ aufgestellt.

 

Rudolf Wild – Porträt des Prinzregenten bei Gleisweiler, Kreis Südliche WeinstraßeBei Gleisweiler wurde in der Nähe des Kurhauses ein großer Findling aufgestellt, der das Porträt des Prinzregenten und die Inschrift „Luitpold Prinzregent von Bayern 1911“ trägt.


Auf dem Hermersbergerhof hatte man bereits im Jahr 1908 einen Aussichtsturm errichtet und zu Ehren des Prinzregenten „Luitpoldturm“ benannt. In der Nähe wurde 1911 dann noch ein Ritterstein aufgestellt. Daneben steht noch die an diesem Tag gepflanzte Eiche.

 

In Landau wurde anlässlich seines Besuchs im Jahr 1888 ein künstlerisch wertvolles bronzenes Reiterstandbild geschaffen, das bei seiner Errichtung im Jahr 1892 in einen Monumentalbrunnen einbezogen war. Seit 1989 steht es mit neuem Sockel auf dem Rathausplatz. – Zum 80. Geburtstag von Luitpold wurde 1901 die „Luitpoldstraße“ benannt, und zu seinem 90. Geburtstag 1911 erhielt die daneben liegende Fortanlage den Namen „Luitpoldpark“.

 

Schließlich sei noch Winnweiler im Donnersbergkreis erwähnt, wo an der Straßenböschung nördlich des ehemaligen Eisenwerkes eine gusseiserne Gedenktafel mit dem Porträt des Prinzregenten angebracht wurde.

 

Nachdem Prinzregent Luitpold hochbetagt am 12.12.1912 gestorben war, übernahm sein Sohn Ludwig die Regentschaft. Aufgrund einer Verfassungsänderung war es möglich, die Regentschaft aufzuheben, und so konnte er am 5.11.1913 als Ludwig III. den bayrischen Thron besteigen.

 

Weitere Informationen zum Thema:
Dagmar Gilcher, Der Mann für alle Fälle. Am 12. Dezember 1912 starb in München Prinzregent Luitpold ...,
in: Die Rheinpfalz, "Ihr Wochenende" Nr. 286, 8.12.2012
Walter Eitelmann, Rittersteine im Pfälzerwald, 4. Aufl., Neustadt a. W. 1998
www.rittersteineundmehr.de
Link zu Annweiler: http://www.bindersbach.de/  dann auf Wanderziele