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Gonbach - ein Leineweberdorf

Erich Glaser

Die Gräflich Wieserschen Dörfer Gonbach und Münchweiler wiesen schon frühzeitig einen beachtlichen Gewerbestand auf. Darüber besaßen sie eine Quellenseltenheit für Heimatkunde, das „Alte Zunftbuch für Münchweiler und Gonbach". Es existiert darüber ein Bericht von Pfarrer Emil Müller, Münchweiler, in den „Leininger Geschichtsblättern", Jg. 1913, S. 70. Dort lesen wir: Herr Ferdinand Andreas „des heiligen römischen Reiches Graf von Wieser, Herr von Zwingenberg, Friedelsheim und Herschberg, Ihrer röm. kaiserl. Majestät wirklicher Hofrat, Ihro Kurf. Durchlaucht zu Pfalz-Neuburg geheimer und Hofratspräsident" gestattete im Jahre 1724 die Aufrichtung einer Zunft für sämtliche in den Dörfern eingesessenen Handwerker und erteilte unter dem 2. September 1724 die Zunftartikel. Auf den 15. Oktober des wiederholt genannten Jahres wurden daraufhin die Handwerksleute der beiden Dörfer und auch einige auswärtige zur Begründung der Zunft eingeladen. Es ist merkwürdig, wie in einer an Fabriken armen Zeit einzelne Berufsarten auffallend stark vertreten waren, so vor allen Dingen der heute gänzlich verschwundene Beruf des Leinewebers.

Leider nennt der Bericht nur Münchweilerer Zunftgenossen und führt für 1724 für diesen Ort folgende 7 Leineweber an: Felix Jung, Peter Jutzi, Henrich Fisch, Joh. Nikolaus Müller, Veiten Dörr, Joh. Birki u. Caspar Baumann. - Die Geburtsbücher von Gonbach (Standesamt Münchw.) nennen uns in der Zeit von 1800 bis 1850 folgende 32 Leineweber, die ihre neugeborenen Kinder registrieren ließen: Appel Georg Peter (1841), Appel Johann David 47, Bender Paul 47, Daub Matheus 16, Daub Wilhelm 17, Dech Peter 01, Dech Andreas 42, Frank Peter Fr. 41, Frank Karl Fr. 46, Freund Christian 47, Graf Johannes 00, Graf Georg Jakob 24, Graf Georg Peter 34, Graf Heinrich 44, Harth Heinrich 44, Heinrich Karl 49, Kloos Lorenz 12, Kloos Johannes 38, Nikel Valentin 33, Ries Joh. Georg 08, Ries Johann 24, Ries Joh. Georg 42, Schlicker Andreas 47, Weber Theobald 05, Weber Joh. Heinrich 10, Weber Erasmus 13, Weber Michael 30, Weber Lorenz 38, Weber Christoph 40, Weiner Daniel 39, Wohnsiedler Martin 10 und Zäuner Georg Friedrich 20. (Die beigefügten Zahlen bezeichnen den ersten Tauffall.) Somit entfielen auf eine Generation (25 Jahrgänge) etwa 16 Leineweber (ungeachtet älterer Jahrgänge), mit Familienangehörigen bei der sprichwörtlichen Kinderfreudigkeit dieses Standes schätzungsweise 90 bis 100 Seelen, was mindestens einem Drittel der Dorfbevölkerung entspricht. Der letzte Gonbacher Leineweber war Jakob Zäuner II, geb. 16. Mai 1854, gest. 7. März 1937 in Haus Nr. l, ein Urenkel des 1774 zu Steinweiler geborenen, am 29. Januar 1825 hier verstorbenen Gonbacher Schullehrers Jakob Zäuner.

Die Gonbacher Leineweberhäuser waren typische Kleinbaue mit 2 Räumen. Einen davon füllte meist der Webstuhl aus. Heute stehen nur noch zwei, die Nr. 11 (Graf Hermann) und 19 (Graf Christian). Alle anderen sind abgerissen oder umgebaut. - Das Los der Leineweber schildert uns Oberlehrer Hof in Nr. 1/2,1952, bzw. Nr. 9/1939 der Zeitschrift des „Nordpf. Geschichtsvereins":

Ein Leineweber verdiente nicht viel. Bei 10-12 stündiger Arbeit fertigte ein guter Weber 10 Ellen (6 m) Leinen von 60 cm Breite. Dafür bekam er 10 mal 6 Kreuzer, d. i. l Gulden. Oft erhielt er ihn aber auch nicht und mußte auf seinen Lohn warten; denn reiche Leute waren früher selten, aber nicht das Borgen.

 

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Die Ortschronik von Gonbach ist beim Bürgermeister des Ortes zu erwerben.

 

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