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| Die fetten Jahre sind noch nicht vorüber - Wirtschaft und Landwirtschaft |
| Autor: Stefan Schaupp |
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Eine ähnliche Entwicklung gab es beim Bestand an Personenkraftwagen, der in der Zeit zwischen 1960 und 1966 um mehr als das Doppelte anstieg. Infolgedessen ließ sich das Problem der Arbeitslosigkeit bald beheben, und Ende der sechziger Jahre herrschte Vollbeschäftigung. Der Bedarf an Arbeitskräften wuchs sogar so stark, dass man sich Verstärkung aus dem Ausland holen musste. Anwerbeverträge mit Ländern Südeuropas sollten den Mangel an Arbeitern beheben. Im Jahr 1970 lebten ca. 36 000 Ausländer in der Pfalz, vor allem in den Industriezentren Frankenthal, Ludwigshafen und Kaiserslautern. Anfänglich etwas misstrauisch und ungelenk als »Gastarbeiter« tituliert, halfen diese Menschen mit, den Wohlstand zu sichern, und arbei ter« tituliert, halfen diese Menschen mit, den Wohlstand zu sichern, und bereicherten zudem die Gastronomie und Kultur.
Trotz des enormen Arbeitskräftebedarfs blieb der Anteil erwerbstätiger Frauen immer noch recht gering, was in erster Linie gesellschaftspolitische Hintergründe hatt e. Zwar stieg die Erwerbsquote verheirateter Frauen im Vergleich zu den fünfziger Jahren von etwas über 25 % auf über 36 %, der bevorzugte Arbeitsplatz der Frau sollte aber – zumindest aus Sicht vieler Männer – der Herd bleiben.
Die Wirtschaftsleistung der Pfalz blieb dominiert von der chemischen Industrie. Die BASF konnte ihren Umsatz zwischen 1960 und 1974 vervierfachen und verzeichnete hohe Gewinne. Neue Industriezweige kamen jedoch hinzu. 1965 wurde der erste LKW im neu errichteten Daimlerwerk in Wörth fertiggestellt, und 1964 entschied die Opel-AG, in Kaiserslautern ein Zuliefererwerk zu errichten, das zum größten Arbeitgeber der Westpfalz wurde. In anderen Bereichen wehte den Unternehmen allerdings schon recht früh der Wind ins Gesicht. Die zur Textilindustrie zählende Kammgarnspinnerei in Kaiserslautern und die Lampertsmühle in Erfenbach verzeichneten schon Ende der fünfziger Jahre rückläufi ge Gewinne, und auch die Schuhbranche in der Gegend um Pirmasens sah sich mit billigen Importprodukten konfrontiert, die die einheimische Produktion beeinträchtigten. Zwar stellte die pfälzische Schuhindustrie Anfang der sechziger Jahre ein Dritt el des bundesrepublikanischen Bedarfs her, doch schon zehn Jahre später wurden über 50 % aller Schuhe importiert, sodass hier eine dramatische Verschlechterung eintrat.
Während also viele Landwirte den Pfl ug im Stall ließen und fortan eine Maschine in einer Fabrik bedienten, hatt en die Winzer gut lachen. Die Rebfl ächen stiegen zwischen 1960 und 1975 von etwas über 16 000 Hektar auf über 20 000 Hektar, und auch die Erträge wurden höher. Den Weinbauern kamen dabei auch technische Neuerungen zugute. Erforderte in den fünfziger Jahren die Bewirtschaftung von einem Hektar Rebland 1000 Arbeitsstunden im Jahr, so reduzierte sich dieser Aufwand bis 1975 um die Hälfte, bei einer gleichzeitigen Ertragssteigerung.
Wer jedoch der Meinung war, der wirtschaftliche Aufschwung würde sich ungebremst fortsetz en, sah sich bald getäuscht. Erste Gewitt erwolken verdunkelten den Horizont. Nach einer leichten Wirtschaftskrise im Jahr 1967 setz te 1973 die erste Rezession der Bundesrepublik ein – bedingt durch die Ölkrise erlahmte die Hochkonjunktur der Nachkriegszeit. Bald stieg die Zahl der Arbeitslosen bundesweit auf über eine Million, die Lebenshaltungskosten gingen insbesondere durch die hohen Benzin- und Ölpreise rapide in die Höhe. Gänzlich unbeeindruckt davon zeigten sich die Gewerkschaften. Nachdem die Infl ationsrate auf acht Prozent gestiegen war, forderte die ÖTV (Vorläufer der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di) 15 % mehr Lohn. Auch in der Pfalz streikten die Arbeitnehmer der Verkehrsbetriebe und der Verwaltungen und halfen damit, im Februar 1974 elf Prozent mehr Lohn durchzusetzen.
Die fetten Jahre aber neigten sich ihrem Ende entgegen. Wenn auch der Staat in Form von Wohn- und Erziehungsgeld, BAFöG oder Bildungsurlaub seine Sozialleistungen ausbaute, gehörte der Traum vom ›Wohlstand für alle‹ schon bald der Vergangenheit an
Das Buch zum Bericht
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