Home

Autoren - Login

Als Autor haben Sie Zugang zu Ihren Beiträgen und Daten.



Besucher

heute372
gestern630
Besucher bisher464923


Newsletter abonieren?


Name:

eMail:

RSS der Heimat-Pfalz
Feed Heimat-Pfalz
Pfalz und Frankreich - Der Pfälzische Erbfolgekrieg
Autor: Michael Martin   

Liselotte von der Pfalz (1652–1722)Eine kurze historische Einordnung: 1685 erlosch das Haus Pfalz-Simmern mit dem Tode des kinderlos gebliebenen Pfalzgrafen Karl. Das Ende dieser Seitenlinie wäre keine Fußnote wert, wenn Karl nicht der Bruder von Liselotte, der Schwägerin Ludwigs XIV. gewesen wäre. Wenn es überhaupt eine Persönlichkeit gibt, die im 17. Jahrhundert die Verbindung Pfalz-Frankreich am besten verkörpert, so ist es sicher sie. Für die Franzosen ist sie gar »la Palatine« (1652–1722). Ihre Rolle und Bedeutung ausführlich zu beschreiben, ist aber hier nicht der Platz.

Liselotte war und ist oft genug Gegenstand literarischer und wissenschaft licher Darstellungen. In jedem Fall war sie es, die durch ihre pfälzische Lebensweise und Lebensart das Bild vom Deutschen – und in geringerem Maße das eines Pfälzers – am französischen Hof prägte. Im Gegenzug sind ihre Briefe für deutsche und pfälzische Leser nicht nur eine Quelle ständiger und ungetrübter Heiterkeit, sondern auch eine Möglichkeit der Identitätsprofi lierung gegenüber dem westlichen Nachbarn. Dass Liselottes oft direkt formulierte Eindrücke unser Bild von Frankreich entschieden und auf Dauer bestimmt haben, muss nicht eigens weiter erläutert werden. 

Zurück zum Krieg. Obwohl die Prinzessin auf ihr Erbe verzichtet hatte, erhob der französische König in ihrem Namen seine Ansprüche. Drei Jahre lang hatte die Diplomatie das Wort, dann sah Ludwig XIV. die Gelegenheit für Frankreich gekommen, an der Ostgrenze für klare Verhältnisse zu sorgen. War Ludwig oder sein Kriegsminister François- Michel le Tellier Marquis de Louvois die treibende Kraft ? Die historische Diskussion darüber hält an. Tatsache bleibt der Einmarsch der französischen Truppen in die Pfalz im September 1688 – ohne eine förmliche Kriegserklärung.

Mit diesem Angriff begann der später von deutschen Historikern so genannte Pfälzische Erbfolgekrieg – für die Deutschen und ganz besonders für die Süddeutschen eine geschichtliche Zäsur, für die Franzosen immer noch der »guerre de la Ligue d’Augsbourg«. Die französischen Truppen waren über die Pfalz hinaus über den Rhein vorgedrungen, Heilbronn wurde am 17. Oktober, Heidelberg am 24. erobert, Philippsburg, die einzige deutsche Festung am Oberrhein, war am 30. Oktober gefallen und Mannheim kapitulierte am 10. November.

Die Kriegsgeschichte ist sattsam bekannt. Sie braucht hier im Einzelnen nicht beschrieben werden. Ganz eng mit ihr zusammen hängt der Name eines verantwortlichen Generals, Ezéchiel du Mas, Comte du Mélac (1630–1704).

Im Jahre 1919, gleich zu Beginn der französischen Besatzungszeit, taucht in der Pfalz massenhaft ein Flugblatt auf. General Gérard, der Ezéchiel du Mas, Comte du Mélac (1630–1704).

Ezéchiel du Mas, Comte du Mélac (1630–1704).Oberkommandierende der französischen Truppen, wird darin als »Gift mischer der Pfalz« bezeichnet, und mit ihm verglichen wird ein General, »Mélac, der Mordbrenner Ludwigs XIV.« Sicher nicht zu Unrecht spekulierten die anonym gebliebenen Verfasser auf das kollektive historische Gedächtnis der Pfälzer, wenn sie bei ihrer Propaganda auf einen Militär des 17. Jahrhunderts zurückgriff en. Ja, im ganzen Südwesten war der Name durchaus noch präsent: Metzgerhunde wurden nach ihm benannt und geschichtsbewusste Süddeutsche impft en ihren Kindern schon früh diesen furchteinfl ößenden Namen ein. Er hat sich in der Volkstradition bis heute erhalten.

Welche Rolle spielte Mélac? Er war Untergebener des Kommandanten von Heilbronn, Joseph de Monclar. Von hier aus unternahm er auf Monclars Befehl Züge in die nähere Umgebung und sogar bis in das 120 Kilometer weit entfernte Donauwörth. Die Verwüstungen, die er mit Brandschatzungen und Plünderungen anrichtete, hinterließen im Südwesten und vor allem in der Esslinger Gegend unübersehbare Spuren. Marbach und Schorndorf waren weitere Stationen. Zum Jahreswechsel 1688/1689, als sich die französischen Truppen wieder aus Württemberg zurückziehen mussten, tauchte Mélac in Heidelberg auf und zog von dort die Bergstraße entlang und in das Neckartal, nicht ohne die dortigen Ortschaft en, darunter Ladenburg, in Schutt und Asche zu legen. In Heidelberg wurde am 16. Februar mit der Sprengung des Schlosses begonnen, am 2. März wurde die Stadt in Brand gesetzt und wenige Tage später war Mannheim an der Reihe. Hier, am strategisch wichtigen Zusammenfl uss von Rhein und Neckar, wurde aber nicht nur eine Stadt niedergebrannt, sondern die Franzosen versuchten, die Siedlung systematisch auszulöschen und den vertriebenen Bewohnern die Wiederansiedlung unmöglich zu machen. Unter diesen Vertriebenen befanden sich übrigens auch die französischen Glaubensfl üchtlinge, die hier in dem liberalen Kurfürstentum Schutz gesucht und gefunden hatten.

Es sind hier nur einige zerstörte Ortschaft en genannt, und die geografi sch weite Streuung kann das Ausmaß der planmäßigen Zerstörung nur andeuten. Dass hier Prinzipien einer Kriegsführung angewendet wurden, wie sie als erster der kaiserliche Generalleutnant und österreichische Feldmarschall Raimond von Montecuccoli formuliert hatte, wird den drangsalierten Bewohnern nicht bewusst gewesen und sicher auch egal gewesen sein. Sie fanden ihren »Sündenbock« in dem unbeherrschten General Mélac, der mit seinem oft exzentrischen und zügellosen Gehabe selbst ausreichend Vorschub für diese Personifi zierung des Schreckens leistete.

Im gleichen Jahr lieferte ein zeitgenössischer Autor unter dem Pseudonym Themistius Aristonicus eine mehr als bissige Charakteristik Mélacs, als er schrieb:
Obrister Mélac … als ein rechter tyrannischer Wüterich und Unmensch … hat auf allen Dörfern um Heidelberg alles so kahl wegbrennen lassen, dass nicht ein Schweinstall auf allen Dörfern stehen blieben. Es sind bei solcher mehr als türkischer Mordbrennerei viele Kinder, so nicht bald errettet worden, jämmerlich mitverbrannt worden. Es sind viele unter dieses … Obristen Leute gefunden worden, welche vor solches unmenschliches brennen selbst ein Abscheu gehabt und nicht haben brennen wollen, davon dieser Tyrann unterschieden selbst ins Feur gestossen, theils auch gar erschossen. Wie nun alles zu Stumpf und Stiel verbrandt, ist er mit grossem Jauchtzen wieder nach Heidelberg kommen. Man könnte aber diesem Mordbrenner kein besseres Epithaphium setzen, als welches dem la Brosse im vorigen Kriege war nachgesetzt, welcher in der Pfaltz auch so gewütet und endlich lebendig selbst verbrandt worden: Weil brennen deine Lust im gantzen Leben war, so brenn nun in der Höll mit Leib, Seel, Haut und Haar.

Zerstörung der Pfalz 1689. Zeitgenössisches FlugblattMit den zwei großen Hunden, die sich Mélac hielt, und die ihn immer begleiteten, rundete er das Bild selbst ab. Die Bauern hielten ihn für einen Zauberer und so fand er auch Eingang in die Literatur. Schon 1739 widmete ihm Zedlers Universallexikon einen Artikel, wo es heißt: Unterdessen hatte er doch seine wilde Natur nicht gäntzlich abgeleget, welches dahero erhellet, weil er allezeit, wenn er spatzieren geritten, eine große Anzahl grimmiger Hunde um sich herum hatte und eine besondere Freude von sich mercken ließ, wenn selbige die Leute anfielen … Wie weit Mélac an den weiteren großfl ächigen Zerstörungen des Jahres 1689 beteiligt war, ist nicht klar festzustellen. Frankenthal, Worms, Speyer und zahlreiche Dörfer im Linksrheinischen wurden in Brand gesetzt und verloren ihr Gesicht. Im Rechtsrheinischen wären Bretten, Maulbronn, Pforzheim, Baden-Baden, Esslingen und viele andere zu nennen. Noch 1693, als Mélac Kommandant der Festung Landau war, beteiligte er sich an den kriegerischen Zügen nach Rheinhessen und ins Württembergische. An der zweiten und endgültigen Zerstörung der kurpfälzischen Hauptstadt Heidelberg am 23. Mai 1693 war er maßgeblich beteiligt.

Unklar bleibt bis heute, ob hinter all diesen Zerstörungen von Anfang an am Hof in Paris ein klar defi nierter Kriegsplan stand. Was jedenfalls als lokaler Angriffskrieg gegen die Kurpfalz begonnen hatte, entwickelte sich mehr und mehr zu einem gesamteuropäischen Konflikt, in dem sich eine starke antifranzösische Koalition der deutschen Reichsstände mit England und Spanien entwickelte. Aus dem Offensivkrieg wurde für Frankreich immer mehr ein Defensivkrieg, in dem es vor allem gegen Ende darum ging, zumindest bis zum Rhein eine wüste Fläche zuschaffen, die es Angreifern unmöglich machen sollte, sich daraus zu verproviantieren. Deshalb das oft zitierte Wort Louvois’, »Brûlez le Palatinat« (»Brennen Sie die Pfalz nieder«). Der Frieden von Rijswijk im Jahre 1697 brachte jedenfalls einige territoriale Erfolge für Frankreich. Vertraglich abgesichert, konnte Ludwig XIV. Straßburg, das Elsass und vor allem die zwischen 1688 und 1691 zur Festung ausgebaute Stadt Landau behalten.

Autor: Dr. Michael Martin


Das Buch zum Bericht


Pfalz und Frankreich

Michael Martin
Pfalz und Frankreich
Vom Krieg zum Frieden
208 Seiten, 39 s/w-Abbildungen, 15 x 21 cm, geb. 19,90 €
Erschienen im G-Braun Verlag, Karlsruhe
ISBN 978-3-7650-8378-5

Der Dreißigjährige Krieg; der pfälzische Erbfolgekrieg; die Reformationszeit und die Hugenottenkriege; die Kriege Ludwigs XIV. und die Französisierung der Pfalz; die Französische Revolution und die Ära Napoleons; die französische Besetzung nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg; pfälzische Auswanderer in die französischen Kolonien; Pfälzer in den französischen Armeen; der Einfluss der französischen Kultur an den pfälzischen Fürstenhöfen; französische Architektur, Kunst, Literatur und Musik.

Erhältlich im Buchhandel oder direkt über den G.Braun-Buchverlag, Karlsruhe Zum Shop

 

 

 

 

 

 

 
JoomlaWatch Stats 1.2.8b by Matej Koval