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Hattweiler (Jägersburg, Saar-Pfalz-Kreis)

Burg/Schloss Hattweiler, Luftaufnahme von Süden, 2001 (Aufnahme: Manfred Czerwinski, Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde)Burg Hattweiler wurde 1590 in Schloss Hansweiler und 1720 in Schloss Gustavsburg umbenannt. Über die frühe mittelalterliche Geschichte von Burg Hattweiler sind kaum Fakten bekannt. Weder kennen wir das genaue Erbauungsdatum der kleinen Burg noch ihre Erbauer. Dementsprechend widersprüchlich sind die in der Literatur vertretenen Meinungen. Vor allem von Drumm wurde die Ansicht vertreten, die erste Burg beim heutigen Jägersburg sei erst von den Grafen von Zweibrücken-Bitsch zwischen 1395 und 1400 errichtet worden. Einen zeitlich früheren Ansatz vertrat Hoppstädter mit der These, dass die Anlage von den Grafen von Zweibrücken wohl gegen Ende des 13. Jahrhunderts erbaut worden und 1394 an eine Seitenlinie dieses Grafenhauses, die Grafen von Zweibrücken-Bitsch, gefallen sei.

 

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Ein wesentlich früheres Erbauungsdatum nimmt neuerdings Ulrich Vicari an, der mutmaßt, die älteste Burg, wohl eine Motte, sei von den Grafen des Saargaues errichtet worden und habe später zu jenen drei Burgen Graf Simons I. von Saarbrücken gehört, die Kaiser Friedrich I. im Jahre 1168 neben der Stammburg Saarbrücken brechen ließ. Diese Überlegung kann nach derzeitigem Erkenntnisstand jedoch weder urkundlich noch archäologisch belegt werden. Auch ist Vicaris Annahme, anstelle einer zerstörten Turmburg sei zwischen 1180 und 1188 eine Reichsburg entstanden, urkundlich nicht belegt.
Lediglich Teile der baulichen Reste eines starken Rundturms könnten ein Beleg für frühe Erbauungszeit, noch im 13./14. Jahrhundert (?) sein.

 

Erstmals am Ende des 13. Jahrhunderts sind Personen, die sich nach der Burg oder dem Ort benannten, urkundlich nachweisbar. 1271 wurde Berthel von Hattweiler genannt (VICARI 1989, U 5, S. 84), dem 1282 Salmine und Walter (ebd. 9, S. 88) und schließlich 1318 Tilmann von Hattweiler (ebd. 16, S. 91) folgten. Obwohl es an einem konkreten urkundlichen Nachweis für eine Burg weiterhin mangelt, vermutet Vicari gleichwohl in ihnen die Burgherren. Als Burgenbauer oder -besitzer kommen neben den genannten Personen vor allem die Grafen von Zweibrücken in Frage. Ihre engen Beziehungen zum Ort Hattweiler werden Ende des 13. Jahrhunderts deutlich: 1279 übergaben die Grafen von Zweibrücken-Bitsch, damals Patronatsherren und Zehnteigner, ihre Rechte dem Kloster Wadgassen. Sukzessive folgten weitere Abtretungen an das Kloster Wörschweiler (1302, 1308 und 1309). Dies zeigt zwar die dominierende Stellung der Zweibrücker Grafen im Ort, doch wird eine zweibrückische Burg auch in den nächsten Jahrzehnten nicht genannt, noch nicht einmal 1385, als Eberhard II. von Zweibrücken eine Hälfte der Grafschaft an Pfalzgraf Ruprecht I. verkaufte und den Rest als Lehen auftrug (RGf-ZW 25, S. 28f.).

 

Burg/Schloss Hattweiler, Rundturm, 2001 (Aufnahme: Uwe Welz)Erst neun Jahre später wird eine Burg in Hattweiler urkundlich erwähnt. Damals erhielten die Grafen von Zweibrücken-Bitsch, die Gebrüder Haneman, Simon Wecker und Friedrich, von Pfalzgraf Ruprecht II. ihren Anteil an den Lehen ihres Vetters, Graf Walrams von Zweibrücken, und dessen Sohnes Eberhard, bestehend aus diversen Burgen und Herrschaften, erneut zu Lehen, worunter sich auch Hattweiler befand. Bemerkenswert ist dabei, dass die Erben Eberhards II. sich auf einen Teilungsbrief des Jahres 1333 (UBZW 18, S. 22 = RGfZW 558, S. 180) zwischen den Grafen Simon und Eberhard von Zweibrücken-Bitsch und Walram von Zweibrücken bezogen, in dem jedoch eine Burg Hattweiler nicht erwähnt wurde.

 

Dementsprechend ist eine Gründung der Burg allerdings erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts durch die Grafen von Zweibrücken durchaus denkbar. Die weitergehende Vermutung von Vicari, Burg Hattweiler sei als Reichsburg(!) auf bisher ungeklärte Art und Weise während des Interregnums in die Hand der Grafen von Zweibrücken gekommen ist, muss unbegründete Spekulation bleiben. 1395 bekundeten die drei gräflichen Brüder erneut, dass Pfalzgraf Ruprecht d. Ä. (II.) ihnen Burg Hattweiler als Mannlehen überlassen hatte, und im April desselben Jahres verzichtete Lise von Veldenz, Witwe zu Zweibrücken, auf ihr Wittumsrecht an der Burg, so dass die Haneman, Simon Wecker und Friedrich von Zweibrücken nun im Alleinbesitz der Anlage waren. Obwohl noch 1398 Pfalzgraf Ruprecht erneut dem Hanemann von Zweibrücken-Bitsch das Mannlehen bestätigte, änderten sich seit Beginn des 15. Jahrhunderts die Besitzverhältnisse rasch, denn die Grafen verpfändeten Burg Hattweiler mehrfach.

 

1401 versetzten Graf Simon von Zweibrücken-Bitsch und sein Bruder Simon Wecker die Wehranlage gegen Zahlung von 1.100 Gulden vorübergehend an Johannes Hubenriss von Odenbach und seinen Sohn sowie an Hertwig Eckbrecht von Dürkheim den Älteren. Nach der rasch erfolgten Wiedereinlösung folgte wohl noch im selben Jahr eine erneute Verpfändung. Der Tod Graf Simons Wecker von Zweibrücken-Bitsch und bald darauf seiner Ehefrau Agnes (von Nassau-Saarbrücken) hatte diesen Rechtsakt nach sich gezogen, da die beiden Brüder nicht in der Lage waren, die Mitgift der Agnes in Höhe von 4.000 Gulden zurückzuerstatten. Daher versetzten sie die Burg an Graf Philipp von Nassau-Saarbrücken. Dieser wiederum verlieh die Burg 1406-10 an Herman Boos von Waldeck. Damals wurde die Burg ausgebaut, denn der Waldecker erhielt bei der Übergabe des Pfandes ausdrücklich auch 800 Gulden erstattet, die er in die Burg investiert hatte. Nach 1410 befanden sich mit Erlaubnis Graf Hanemanns von Zweibrücken-Bitsch Simon Mauchenheimer und Anselm von Bitsch als Nachfolger des Waldeckers im Besitz der Pfandschaft. 1437 verpfändete Graf Friedrich von Zweibrücken-Bitsch die wieder eingelöste Anlage zusammen mit anderen Gütern an Alheim Eckbrecht von Dürkheim und dessen Erben für 1.100 Gulden. Die Burg, die im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts im Besitz der Herren von Dürkheim blieb, bot 1466 Anlass zu Erbstreitigkeiten zwischen Peter und Heinrich Eckbrecht von Dürkeim, die erst mit Hilfe Graf Friedrichs von Zweibrücken-Bitsch beigelegt werden konnten (RLichtenberg 4164, S. 397).

 

Von 1510 bis 1517 bewohnte als Afterlehnsträger der Hofmeister (hushoffmeyster;VICARI 1989, U 57, S. 121) Albrecht von Morsheim die Burg, dem 1517 Philipp Breder von Hohenstein folgte. Gleichzeitig behielt sich der Zweibrücker Lehnsherr jedoch das ewige Öffnungsrecht vor und stellte die Bedingung, dass beim Aussterben der Pfandnehmer das Lehen frei und ledig an die Grafenfamilie zurückfallen sollte. Der geplante Übergang der Burg zog jedoch juristische Streitereien nach sich, da Albrecht von Morsheim vom neuen Lehnsträger 1.750 Gulden verlangte und schließlich auch erhielt. Dies
war für die weitere Burggeschichte von großer Bedeutung, da der neue Lehnsnehmer ein Gefolgsmann Franz von Sickingens war. Nach Abbruch der Belagerung Triers im Jahre 1522 und dem sickingischen Rückzug nach Landstuhl besetzten 1523 trierische Truppen Burg Hattweiler und inhaftierten Philip Beder von Hohenstein. Die Wehranlage blieb nun für längere Zeit in trierischer Hand; 1530 scheiterte der Versuch Philipp Beders von Hohenstein, die okkupierte Anlage an Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken zu verkaufen. Erst der Nachfolger Erzbischof Richards von Greiffenklau, Erzbischof Johannes Ludwig, restituierte 1543 unter Vorbehalt des Öffnungsrechtes und mit Zustimmung Graf Jakobs von Zweibrücken-Bitsch die beiden Söhne des Hohensteiners, Christoph und Philipp, mit Burg und Herrschaft.

 

Bis 1570 bewohnten die Herren von Hohenstein bzw. ihre Ehefrauen und Verwandten die Burg, bis sie durch die Heirat der Barbara Beder von Hohenstein mit Richard von Steinkallenfels in den Besitz dieses Adeligen fiel, der sie siebzehn Jahre später an Johann von Warsberg verkaufte. Wirtschaftliche Schwierigkeiten zwangen 1590 Johann zur Veräußerung. Für 21.000 Gulden erwarb Herzog Johann I. von Pfalz-Zweibrücken das gesamte Anwesen und ließ es zum Jagdschloss, dem er dem Namen „Hansweiler“ gab, umgestalten, bzw. neu errichten.

 

Die umgestaltete Burg erlitt im Dreißigjährigen Krieg ein wechselvolles Schicksal: 1622 Einnahme, Beschädigung und Plünderung durch spanische Truppen, 1623 Plünderung durch hessische Soldaten und 1627 erneute Ausplünderung durch Soldaten des Grafen von Schlick. Endgültig ruiniert wurde die (teilweise?) wieder instandgesetzte Anlage 1635 während des Rückzugs der Franzosen, als Soldaten des kaiserlichen Feldmarschalls Gallas Schloss Hansweiler niederbrannten.

 

Erst 1666 begann Herzog Friedrich Ludwig mit dem Wiederaufbau und ließ ein Wohnhaus, eine Scheuer sowie Stallungen errichten. Jedoch wurden auch diese Gebäude 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen derart beschädigt, dass eine erneute Instandsetzung notwendig war. 1699 begonnene Arbeiten erfolgten offensichtlich eher zögerlich, denn 1704 wurden im Bericht des Kammerrates Otto Webel an die königlich-schwedische Regierung lediglich eine Hofmannswohnung sowie Scheuer und Stallungen erwähnt, deren Zustand gleichwohl zu wünschen übrig ließ. 1718 war der Wiederaufbau zumindest teilweise beendet, und der königlich-schwedische Generalgouverneur Baron von Stralenheim konnte nun das Anwesen beziehen. 1720 ließ Herzog Gustav Samuel Leopold die Anlage, die nun in „Gustavsburg“ umbenannt wurde, weiter ausbauen. Nach der Neuerrichtung des nahe gelegenen Schlosses Jägersburg (1752 – ca. 1780) diente das Anwesen als Beamtenwohnung. 1803 erwarb im Rahmen der Nationalgüterversteigerung der Neuhäuseler Förster Christian Lindemann die Gustavsburg. 1807 kam es zu einer erneuten Änderung, eine Hälfte des alten Schlosse fiel an den Bruder des Käufers, Carl, der andere Teil an Peter Rufing. 1812 wiederum gelangte dessen Anteil durch Kauf an Carl Lindemann, der das Gebäude 30 Jahre später an die staatliche Forstverwaltung veräußerte. Bis 1972 nutzte man das Anwesen als Forstamt, heute dient das im Besitz der Stadt Homburg befindliche Schloss als Museum.

 

Baubeschreibung
Die mittelalterliche Burg
Hattweiler, Plan des Turmstumpfes mit dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten,„vollkommenen Fenster“ (aus: DRUMM 1954, S. 31)Ein vom Erbach gespeister, recht breiter Graben und der Schlossweiher schützten sowohl die mittelalterliche Wasserburg als auch die nachfolgenden Schlossgebäude. Von der mittelalterlichen Anlage sind durch Zerstörungen, vor allem aber durch die Um- und Neubauten des 16. und 17. Jahrhunderts nur sehr wenige Bauteile erhalten, so dass es mangels archäologischer Untersuchungen bisher kaum möglich ist, fundierte Aussagen zu machen. Insbesondere ist die frühe Baugeschichte von Burg Hattweiler unbekannt. Als bedeutendster Rest der mittelalterlichen Anlage wird der Stumpf eines starken Rundturms angesehen. Der Außendurchmesser des erhaltenen Turmerdgeschosses beträgt 8,50 Meter. Im Innern weist es einen eingewölbten Raum auf, der in einem Plan von 1721 als Prison ou Cave bezeichnet wird. Die Erbauungszeit ist umstritten. Vicari schließt aufgrund der stark gebossten Buckelquader mit Wolfsloch und dem Oktogon im Innern des Turmstumpfes auf eine Errichtung nach 1168. Dagegen hält Drumm das Bauwerk für wesentlich jünger und setzt es mit einem erst 1622 neuerbauten Turm gleich.

 

Gegen die Ansicht Vicaris sprechen die urkundlichen Belege, die eine solch frühe Erbauung nicht beweisen, gegen Drumms These spricht die Tatsache, dass bereits 1531 und 1565 ein Turm, der damals als Gefängnis diente, erwähnt wird. Möglicherweise ist der Rundturm zumindest in seinem erhaltenen Untergeschoss durchaus noch dem 13./14. Jahrhundert zuzurechnen. Mehrfache Umbauten verunklaren das Bild. So deuten bis auf den Boden reichende Fensternischen in den Mauern des Turmobergeschosses auf eine durchgreifende Veränderung wohl in barocker Zeit hin. Der Standort einer 1567 erwähnten Schlossbrücke dürfte mit den späteren Zugängen identisch sein.

 

Schloss Hansweiler
Im Gegensatz zur mittelalterlichen Burg ist seit dem 16. Jahrhundert die Baugeschichte konkret fassbar. 1594, als Sigmund Gentersberger Baumeister war, wurden durch badische Soldaten verursachte Schäden behoben, dabei wurden ausdrücklich der Graben, die Ringmauer und ein Zwinger genannt, die ebenso wie eine Scheuer und eine „Pferdsraufe“ instand gesetzt wurden. Überdies erhielt der Burg-/Schlosshof damals eine (neue?) Pflasterung. Vier Jahre später werden in einem Inventar neben zahlreichen größeren und kleineren Stuben vor allem die Erkerstube, das Frauengemach, ein Kaminzimmer, ein Küche, eine Kanzlei, ein Kellereizimmer, ein Stall sowie ein Treppenturm (Schnecke) genannt. Neben Mobiliar – meist Tische, Bänke, Stühle und Schränke – werden vor allem Betten und Bettzeug sowie Küchengerät erwähnt. Auffällig ist die kümmerliche Bewaffnung: Lediglich vier Doppelhakenbüchsen, eine davon unbrauchbar, befanden sich auf der Mauer.

 

Auch im Dreißigjährigen Krieg sind zahlreiche Baumaßnahmen belegt: 1622 wurde der Hauptturm umgebaut, 1623 eine Pforte sowie ein Gebäude neu hinzugefügt, 1632/ 33 ein Rondell errichtet und schließlich 1639 die Ringmauer bastionär verstärkt.

 

Die Gustavsburg
Die Nachfolgeanlage von Burg Hattweiler und Schloss Hansweiler ist die Gustavsburg, deren Bau Herzog Samuel Leopold von Zweibrücken veranlasste. Der schwedische Baumeister Jonas Erickson Sundahl griff dabei auf die 1666 anstelle des abgebrannten Schlosses errichteten Gebäude zurück, die bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts in sehr schlechtem Zustand waren. Diese Gebäude wurden 1721 in der Form wiederhergestellt, die noch heute sichtbar ist.

  

Allgemeine Informationen
Nicht frei zugängliche, mehrfach umgebaute Burg- und Schlossanlage. Das heute Gustavsburg genannte Anwesen ist im Besitz der Stadt Homburg/Saar. Es beherbergt ein Museum.

 

49*22’19,0’’N       7*19,0’19,3’’O

RW: 2596000       HW: 5471275

 

Topographie
Von Weiher und Gräben umgebene Niederungsburg (Wasserburg).

 

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Das Buch zum Bericht - Das Pfälzische Burgenlexikon
 

BurgenlexikonDer Artikel wurde in gekürzter Form entnommen aus: Pfälzisches Burgenlexikon, Bd. 1, A –E, hrsg. v. Jürgen Keddigkeit, Karl Scherer, Alexander Thon, Rolf Übel u. Ulrich Burkhart, Kaiserslautern 2007. 528 S. mit zahlreichen, meist farbigen Abbildungen und Plänen, ISBN 3-927754-51-7. Dieses Werk sowie die Bände 2, 3 und 4 sind in allen Buchhandlungen zum von Preis von jeweils € 39.90 erhältlich.

Die Bestellung kann auch direkt über den Online-Shop des Instituts für Pfälzische Geschichte und Volkskunde erfolgen. Zum Shop

 

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